Hundetaxi mit Blaulicht

Es kam, wie es kommen musste: Wenn ich als Modellbaubegeisterte mit großen, blauen Autos zu tun habe, muss auch irgendwann mal eins selbst nachgebaut werden. Während ich mir unseren alten GKW noch habe bauen lassen, musste ein kleineres Fahrzeug als „Opfer“ herhalten…

Aber warum überhaupt nachbauen? Seiten wie eBay sind doch voll von THW-Modellen?

Improvisiertes Klein-Diorama auf dem Schreibtisch

Improvisiertes Klein-Diorama auf dem Schreibtisch

Das stimmt, man kann aus allen THW-Epochen und in vielen Maßstäben Fahrzeugmodelle kaufen (den ultimativen Überblick bietet da THW Modellliste), aber nicht immer findet sich dort das Passende oder Gesuchte. Denn das THW hat natürlich durch die Bundesbeschaffungen viele Standardfahrzeuge, aber der alte Spruch „Wir sind EIN THW – wir auch“ gilt auch hier. So gibt es bundesweit einen bunten Blumenstrauß an Sonder-Sonderfahrzeugen, Umbauten und Eigenbeschaffungen. Das kann und will keine Branche komplett abbilden.

Also heißt es: Selbst ist der Modellbauer, oder, in meinem Fall, die Modellbauerin. Da ich mich noch nicht an einen LKW oder Anhänger herantraute, wo Teile komplett selbst gefertigt werden müssten (bisher hatte ich nur PKW entfärbt und mit Decals und Blaulichtern versehen), suchte ich mir unseren Mannschaftslastwagen V (MLW V) aus der Fachgruppe Ortung zum Umbau aus. Gedauert hat das Ganze ungefähr ein Winterhalbjahr, da es immer wieder auch längere Pausen gab, was manchmal an Unlust und manchmal an noch fehlenden Teilen lag. Mit mehr Fokus und Erfahrung geht das sicherlich noch schneller.

MLW V der FGr Ortung Foto: M.M.

MLW V der FGr Ortung, Foto: M.M.

Das Vorbildfahrzeug ist ein Mercedes Sprinter NCV 3 Facelift mit Pritsche-Plane-Aufbau und Doppelkabine zum Transport von Hunden, Ortungsausstattung (beides in Boxen) und HelferInnen zum Einsatzort. Standardmäßig ist für diese Gruppe eigentlich ein Sprinter Kastenwagen vorgeschrieben, doch zugunsten der allgemeinen Logistik im OV entschied man sich für die Varianten mit dem Planenaufbau.

MB Sprinter DoKa, Foto: Herpa

Das Modell, das ich mir als Umbaugrundlage aussuchte, war ein Sprinter mit passender Kabine und Pritsche der Werkfeuerwehr Salzgitter, Grundfarbe weiß mit leuchtroter Bedruckung, von Herpa. Inzwischen gibt es das Modell auch in einer Version des Bundeswehr-Fuhrparkservice, das mit viel weniger Entfärben der Kabine auskommt.

1. Demontage und Entfärben

Nach der Demontage, die sich ein bisschen knifflig gestaltete (die Kabine ist meist über die gesteckten Frontscheinwerfer und den Kühlergrill befestigt, die es herauszudrücken/-schieben gilt), musste die Bedruckung runter. Hierfür habe ich DLE-90 (Druck- und Lackentferner) von Lux-Modellbau verwendet. Anders als etwa Nagellackentferner oder Verdünner greift es das dünne Plastik nicht so stark an, sodass auch Klarplastikteile (Autofenster) vorsichtig mit Q-Tip oder Tuch von Funkrufnamen und Co. befreit werden können.

2. Die Plane

Die Plane des Ausgangsmodells war zu niedrig im Vergleich zum Vorbild, sodass ich sie mit zugeschnittenen Polystyrolstreifen (aus Platten, die es etwa bei Conrad in vielen Stärken gibt) erhöhen musste. Die Übergänge habe ich nach dem Trocknen mit Revell Plasto verspachtelt und dann mit feinem Schleifpapier von Hand geschliffen, geschliffen, geschliffen, bis der Übergang außen nicht mehr zu fühlen war.

3. Lackieren

Die Pritsche habe ich mit Revellfarbe und Pinsel selbst silbern lackiert, da es eine relativ kleine und unebene Fläche ist. Die Stoßstangen vorne wurden mattschwarz lackiert, die hintere blau, dabei die Rücklichter farblich hervorgehoben. Da ich selbst kein Airbrush besitze, habe ich die Fahrzeugkabine und die Plane zur Lackierung in RAL 5002/Ultramarinblau an einen erfahreneren Modellbauer abgegeben.

Blau, blau, blau.

Blau, blau, blau.

Danach wurden noch die Türgriffe und Lüftungsschlitze schwarz hervorgehoben, die Spiegelflächen der Außenspiegel silbern gefärbt (mit Eddings) und der weiße Teil der Plane auf dem Dach ergänzt (später nach Hinweis noch verbreitert). Dieser helle Teil dient im Original dazu, mehr Licht ins Innere zu lassen. Man kann das mit Farbe oder Decals

Weißer Dachstreifen

Weißer Dachstreifen

tun, ich habe mich für Revellfarbe entschieden. Die Kanten habe ich dabei mit Tape von Tamiya abgeklebt um nicht überzumalen. Dabei sehen mehrere dünne Schichten besser aus als eine dicke. Schwarze Teile haben noch eine Schicht matten Klarlack erhalten.

4. Decals

Das Modell kommt zum Glück mit relativ wenig Beschriftungen aus. Dafür wurden Decals von TL und von Markus Hawener genutzt. Was aber sind Decals? Für mich: Faszinierend. Es sind im Grunde Aufkleber, die aber nicht mit Kleber fixiert werden, sondern von alleine kleben, sobald sie trocken sind. Man bekommt sie auf Trägerpapier geliefert, von dem man sie ablösen muss, indem man sie in Wasser einweicht.

Arbeitsplatz mit Farben und Decal-Wasser rechts.

Arbeitsplatz mit Farben und Decal-Wasser rechts.

Dann schiebt man sie vorsichtig vom Papier auf die gewünschte Stelle, bis es genau passt – deswegen nennt man sie im Deutschen auch Nasschiebebilder. Q-Tips sind hier wertvolle Hilfsmittel. Soll sich das Decal an eine besonders komplizierte Form anschmiegen, empfiehlt sich der Einsatz von speziellen Weichmachern, auch genannt Decal Softener (Mr. Mark, Revell), die das erleichtern. Man pinselt sie vorsichtig auf. Aber Achtung: Das Decal wird dadurch auch noch empfindlicher, als es eh schon ist. Fixiert wird alles nach dem Trocknen mit Klarlack, z.B. von Tamiya.

Angebrachte Planenseile

Angebrachte Planenseile

Hier ging es vor allem um die THW-Beschriftungen (Türen, Motorhaube, Blaulichtbalken – gefunden bei TL), die seitlichen Blinker und die Frontblitzer. Eher zufällig entdeckte ich bei Markus Hawener, bei dem ich schon Blinker und Frontblitzer gekauft hatte, die Decals für die Darstellung des Planenseils, die ich hier gekürzt auf die Plane aufgebracht habe. Sie werten die Optik nach meinem Empfinden unglaublich auf. Am Ende wurden Decals und Lackierungen mit Klarlack fixiert. Wer Blinker und Frontblitzer etwas haptischer haben möchte, kann sie, etwa bei DS-Design, auch als Plastikteil bekommen.

5. Anbauten

Dazu zählen hier der Blaulichtbalken, die Antennen und das Heckblaulicht. Der Balken stammt aus der Bastelkiste, vermutlich Herpa, ebenso das Heckblaulicht. Die Halterung, im Original abnehmbar, ist hier aus der Halterung eines Signalhorns der Feuerwehr gebastelt, die dafür vom Horn getrennt wurde. Das Blaulicht wurde von unten mit einem kleinen Rand an den Seiten schwarz bemalt um den Sockel darzustellen. Um es an der Plane zu befestigen wurde ein kleines Loch hineingebohrt. Natürlich musste auch noch eine Anhängerkupplung angebaut werden um den Hundetransporter ziehen zu können. Die stammt von Rietze und wurde an die blaue Heckstoßstange geklebt.

Die beiden Antennen auf der Kabine wurden aus Borstenhaar eines billigen Acrylmalpinsels gefertigt. Dazu wurde das Haar mit Revellfarbe schwarz eingefärbt und nach dem Trocknen an einer Seite auf die passende Länge geschnitten. Dieses Ende habe ich dann in Revellfarbe getaucht und mit diesem Farbtropfen auf das Dach geklebt. Bis das Haar festklebt und „steht“, muss es gestützt werden. Etwas dickere, aber wohl auch stabilere Antennen gibt es hier.

Die Reifen/Felgen stammen von einem älteren Vito-Modell und wurden einfach getauscht. Dadurch entfiel hinten die Zwillingsbereifung. Aus Klebeband wurde hier eine Abstandshalterung um die Achse gewickelt, damit die Achse nicht durch ihre neugewonnene Freiheit verrutschen kann.

6. Der Anhänger

Der Anhänger ist ein Bausatz von MEK (ja, die Seite wird noch aktualisiert). Ein befreundeter Modellbauer war so freundlich, ihn mir zu beschaffen und gleich auch zu montieren, zu bemalen und mit Decals zu versehen. Die Decals hat mir freundlicherweise Sven Städtler nach Fotos und Messungen angefertigt. Inzwischen habe ich aber noch einen zweiten Bausatz bekommen, an dem ich mich selbst versuchen möchte, da ich z.B. noch die Dachreling mit dem Solarpanel bauen möchte, wie sie unser Vorbild hat.

7. Kleben/Zusammenbauen

Fertig.

Fertig.

Geklebt habe ich neben Anbauteilen wie Heckblaulicht und Balken die Außenspiegel und die Plane auf der Pritsche. Die Kabine ist dagegen nur gesteckt, da das bereits ausreichend Stabilität bietet (siehe Demontieren…).

8. Was noch so geht

Ich hätte zum Beispiel noch die Fenstergummis mit Schwarz hervorheben können (hab ich irgendwie vergessen, aber die Kabine ist ja noch demontierbar). Zudem soll es irgendwann, neben einem Neubau des Anhängers, noch das Anbringen des Funkrufnamens auf der Frontscheibe geben, sobald ich einen Decal-Anbieter ausgekundschaftet habe. Als „Deko“ sollen die Preiserlein irgendwann auch kleine Rettungshunde als Begleitung bekommen. Vielleicht laufen mir auf der nächsten Börse ja welche zu…

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