Explosion einer Munitionsfabrik nahe einer Wohnsiedlung

ALLGEMEINE LAGE: zahlreiche zerstörte Gebäude, verschüttete Personen, vermisste PersonenDas war das Szenario für die Übung „DanGer Response 2016“ im dänischen Tinglev, gemeinsam organisiert von der Facharbeitsgemeinschaft Ortung des THW-Landesverbandes HH, MV, SH, dem Landesverband selbst und der Geschäftsstelle Schleswig, die bereits am Himmelfahrtswochenende stattgefunden hat.

Ich durfte diese Übung zum einen als Öffentlichkeitsarbeiter und zum anderen als „Mädchen für alles“ begleiten. So hatte ich also Gelegenheit, genügend Fotos für diesen Bericht zu machen. 😉 Das bietet mir überdies die Gelegenheit, euch allgemein etwas über unseren Übungsort, die dänische Katastrophenschutzschule, und die Fachgruppe Führung/Kommunikation des Technischen Hilfswerks zu erzählen.

Die Teilnehmer auf Seiten des THWs setzten sich aus Bergungs- und Ortungsgruppen sowie Zugtrupps und Fachgruppen Führung- und Kommunikation (FK) aus 12 Ortverbänden zusammen. Dazu konnten wir Gäste aus DRK-Rettungshundestaffeln aus Hamburg und Berlin begrüßen. Übernachtet und abendverpflegt wurde diesseits der Grenze im Ortsverband Schleswig.

Die Katastrophenschutzschule in Tinglev

Wir hatten das Glück, für unsere Übung ein einzigartiges Gelände buchen zu können. Die Beredskabsstyrelsen Teknisk Skole i Tinglev ist das größte Übungsgelände für Feuerwehr und Katastrophenschutz in Dänemark, laut eigenen Angaben sogar in ganz Nordeuropa.  Das Gelände hat eine Größe von 130.000 Quadratmetern und bietet vielerlei Möglichkeiten der Übung.

Neben Schulgebäuden zur theoretischen Ausbildung mit Lehrsälen und Modellanlagen für Planspiele gibt es grob drei Bereiche auf dem Areal: Die „Altstadt“ und die „Neustadt“ bieten zahlreiche Trümmer- und angeschlagene Häuser, die sich in Baustil und Anordnung unterscheiden. Während die „Altstadt“ eng mit gemauerten Häusern verschiedenster Nutzung (Wohnen, Hotel, Geschäfte) bebaut ist, bietet die „Neustadt“ unter anderem auch ein Parkhaus mit Fahrzeugen. In beiden Bereichen können die Vermisstensuche, aber auch Holz-, Gestein- und Metallbearbeitung geübt werden. Dazu können beispielsweise Beton- oder Mauerteile  in Rahmen bestellt werden, die dann in die Hauswände eingesetzt und durch die übenden Einheiten zerstört werden können. Daneben gibt es in beiden Arealen auch Brandhäuser für das Training der Feuerwehren. Der dritte Bereich, der etwas abseits liegt, ist eine Art Industriegebiet. Hier gibt es unter anderem die Möglichkeit, an alten Autos, LKWs und Bussen zu trainieren, die entweder gelöscht oder zerschnitten werden müssen. Darüber hinaus gibt es dort auch Bahnanlagen mit einfacher Oberleitung zum Üben von Aufgleisungen und dem Löschen brennender Waggons. Weitere Industriegebäude sind hier aufgebaut, unter anderem eine Tankstelle mit Imbiss.

Unsere Übungsleitung hatte sich für die Übung für die Bereiche der „Alt-“ und „Neustadt“ entschieden, da primär die Ortungs- und Bergungsgruppen beübt werden sollten.
Den ersten Übungstag  nutzen vor allem die Hundeführer zur Übung und Vorbereitung auf das anstehende Übungsszenario und die parallel stattfindenden Rettungshundeprüfungen. Gleichzeitig richtete sich die Übungsleitung aus der FK ein.

Was ist die Fachgruppe Führung- und Kommunikation?

DanGer Response Tinglev 2016 157

Zentrale der Übungsleitung: FüLa-Anhänger und FüKw der FK Stralsund

Weithin sind sie im Einsatz durch ihre weißen Fahrzeuge und Anhänger erkennbar: Werden beim THW aus kleineren Einsätzen größere, die nicht mehr von einem oder zwei Zugtrupps geführt werden können, tritt die Fachgruppe Führung- und Kommunikation auf den Plan. Diese Gruppe gibt es ein Mal pro Geschäftsführerbereich (GFB); in unserem nördlichsten GFB sitzt sie im Ortsverband Flensburg. Diese Gruppen sind der Geschäftsstelle direkt unterstellt und gehören, wie auch die Logisitk-Gruppe, nicht zum eigentlichen Technischen Zug des Ortsverbandes. Deswegen haben sie einen eigenen Einheitsführer, der auf gleicher Ebene wie ein Zugführer agiert.

Die FK dient der Führung von THW-Einheiten im größeren Rahmen sowie der technischen Unterstützung von Einsatzleitungen. Sie übernimmt die Kommunikationsaufgaben, die zur Führung der Einsatzkräfte und für die Verbindung zum Bedarfsträger erforderlich sind:

  • Abholen und Verlängern von Telekommunikationsanschlüssen aus Festnetzen über drahtlose Telekommunikationsverbindunge (Feldkabelbau),
  • Einrichten und Betreiben von eigenständigen kabelgebundenen und drahtlosen Telekommunikationsnetzen,
  • Ergänzung bestehender Telekommunikationsnetze.

Sie sind also zum einen in der Lage, eigenständig Kommunikationsnetze aufzubauen bzw. anzuzapfen um so entweder die technische Infrastruktur für eine Einsatzleitung zu stellen, und zum anderen können sie mit ihrem Personal auch selbst die Einsatzleitung bzw. die Führung von ihnen unterstellten Einheiten (THW oder externe Kräfte) übernehmen. So stellen die Kräfte der FK zum Beispiel Einsatzabschnittsleitungen und kommunizieren dabei mit der Einsatzleitung über ihnen und den (Unter-)Einsatzabschnitten unter ihnen. Das Personal übernimmt dabei feste Funktionen, wie man sie auch aus der Lage- und Stabsarbeit anderer Organisationen kennt.

Die Fachgruppe unterteilt sich dabei in mehrere Trupps mit unterschiedlichen Fähigkeiten: Der Führungstrupp (FüTr), der Fernmeldetrupp (FmTr) sowie der Führungs- und Kommunikationstrupp (FüKomTr) dienen der Unterstützung beim Einsatz mehrerer THW-Einheiten. Auch der Weitverkehrstrupp (WVTr) gehört zur Fachgruppe Führung/Kommunikation, ist aber nicht in allen der 68 Gruppen vorhanden: Bundesweit gibt es 5 WVTr, die als Antennenträger über 40 m hohe Teleskopmasten verfügen. Im Norden befindet sich einer in Hamburg.

Bei unserer Übung wurde die Fachgruppe FK aus Stralsund als Einsatzleitung im Übungsszenario eingesetzt, die mit den untergeordneten Einsatzabschnitten, die von Zugtrupps gestellt wurden, kommunizierte.

Übungsverlauf

Am zweiten und dritten Übungstag kamen die Bergungsgruppen dazu.

Am zweiten und dritten Übungstag kamen die Bergungsgruppen dazu.

Nach dem Warmwerden und Aufbauen von Hundegruppen und Übungsleitung am Himmelfahrtstag wurde es am Freitag und Samstag ernst: Am zweiten und dritten Übungstag stießen die Bergungsgruppen und Zugtrupps dazu. Ausgehend vom eingangs beschriebenen Szenario galt es nun, die Zusammenarbeit zwischen Zugtrupps als Einsatzabschnittsleitung unter der FK als Einsatzleitung, Ortungsgruppen (technisch und biologisch) zur Suche von Vermissten und Bergungsgruppen zur Rettung und Bergung von Menschen zu üben. Die Helferinnen und Helfer der Bergungsgruppen konnten sich an diesem Tag in den Bereichen „Altstadt“ und „Neustadt“ an den vorbereiteten Durchbruchstellen mit schwerem Gerät austoben.

Eingesetzt wurden da zum Beispiel der Aufbrechhammer und der Motortrennschleifer durch Kräfte des Ortsverbandes Eckernförde, die so versuchten, sich einen Zugang in das teilzerstörte Parkhaus zu verschaffen. Andere Kräfte übten in der „Altstadt“ Deckendurchbrüche. Solche Übungsmöglichkeiten sind für das THW sehr wichtig, da es im Dienstalltag nur sehr wenige Möglichkeiten gibt, wirklich einsatznah und –ähnlich zu üben. Zwar kann man ab und zu die Geräte an Betonteilen oder ähnlichem benutzen, aber nur in solchen Übungsszenarien kommt es dann auch wirklich darauf an, Technik und Methodik zu testen und zu üben.

Die Helferinnen und Helfer der THW-Ortungsgruppen führten parallel ihre Rettungshunde(vor-)prüfungen durch. Jedes Team aus Helfer und Hund muss verschiedene Prüfungen absolvieren, bevor man gemeinsam in den Einsatz gehen darf und auch regelmäßige Wiederholungen sind Pflicht. Dies soll die Einsatzfähigkeit der Teams sicherstellen.

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Rettungshundeprüfung in Tinglev

Die beiden großen Themenbereiche sind die sog. Flächen- und die Trümmerprüfung, also die Suche in beiden Terrains. Während es relativ einfach ist, einen geeigneten Ort zur Übung und Abnahme einer Flächenprüfung ist, stellt es sich bei der Trümmerprüfung schwieriger dar. Das Übungsgelände in Tinglev bietet sogar extra dafür ausgelegte Gebäude, die unter den Trümmern obenauf kleine, verschließbare Kammern haben, in denen Versteckpersonen für die Suche untergebracht werden können. Aber auch in anderen Gebäuden ließen sich Helferinnen und Helfer verstecken um sich von den Hunden und ihren Herrchen und Frauchen suchen zu lassen. Dabei kommt es auch in der Prüfung nicht nur darauf an, dass der Hund gut geführt wird und seine Arbeit erfolgreich erledigt – auch die Hundeführer und –führerinnen müssen die Gefundenen korrekt ansprechen, Informationen sammeln und wissen, welche weiteren Maßnahmen nach dem Fund zu ergreifen sind. Es ist also eine Prüfung für Mensch und Hund.

Gäste vom Deutschen Roten Kreuz

Gäste vom Deutschen Roten Kreuz

Zur gleichen Zeit übten Hundeführer und Mantrailer des DRKs zusätzlich auf einem Gelände in Boostedt und im Schleswiger Stadtgebiet. Mantrailer-Hunde sind speziell zur Personensuche über lange Strecken ausgebildet, sie sind quasi Fährtensucher. Einsatztaktisch werden sie genutzt, um den Weg verschwundener Personen nachzuvollziehen und so das Suchgebiet für die Flächensuchhunde festzulegen bzw. einzugrenzen. Das THW im Norden hat solche Hunde in Flensburg, wo eine sog. „Örtliche Gefahrenabwehr“ im Aufbau ist.

Am Samstag, dem zweiten Übungstag, endete die Übung am Abend mit einem Kameradschaftsabend im gastgebenden Ortsverband Schleswig, der einen schönen Ausklang bot, bevor die letzten Teilnehmer am Sonntag die Heimreise antraten.

Was noch zu sagen bleibt:

Was noch zu sagen bleibt:

Wir danken den Übungsplanern und -leitern aus Ehren- und Hauptamt, den Schiedsrichtern, dem gastgebenden OV Schleswig, der Teknisk Skole der Beredskapsstyrelsen und nicht zuletzt natürlich den teilnehmen Kameradinnen und Kameraden für das gelungene Wochenende!

Beteiligte Ortsverbände:
Technisches Hilfswerk (THW) Ortsverband Niebüll
THW Ortsverband Sörup
THW Ortsverband Husum
THW Eckernförde
Technisches Hilfswerk Kiel
THW Ortsverband Flensburg
Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) Ortsverband Schleswig

THW Ortsverband Neumünster
THW OV Ronnenberg
THW Ortsverband Stralsund

THW Ortsverband Wiesbaden
Technisches Hilfswerk (THW) Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf

DRK-Rettungshundestaffeln
DRK Kreisverband Hamburg Altona und Mitte e.V.
DRK Kreisverband Berlin-City e.V.

Disclaimer: Dies ist eine ausführliche Version des Artikels, den ich für die Facebookseite der THW Geschäftsstelle Schleswig geschrieben habe.

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