Von Comichaufen und Steinhaufen

Jaja, wenn man die Berge Süddeutschlands mit dem Wort „Steinhaufen“ bezeichnet, kann man sich bei den Bayern schon mal unbeliebt machen. Um mich von der Schönheit ebensolcher zu überzeugen, wurde ich nach München eingeladen. Passenderweise in der Woche nach dem Comic Salon Erlangen 2016. Ein Nachbericht

Der erste Teil der Reise wurde per Bahn absolviert.

Der erste Teil der Reise wurde per Bahn absolviert.

Die Reise startete Mittwoch, den 25.05.2016, mit der Fahrt nach Erlangen. Mit gefühlt 100 Kilo Comics und Malsachen im Gepäck machten wir Buddelfische uns aus dem Norden auf den Weg gen Franken. Ein riesiger Dank gilt dabei Caro, die das Risiko auf sich nahm, Sebastian und mich gen Süden zu transporten.

Der 17. Internationale Comic Salon fand dieses Mal vom 26. bis zum 29. Mai statt und bot neben den kleinen und großen Verlagen und Einzelausstellern auch in diesem Jahr ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen, Workshops, Signierterminen und Podiumsdiskussionen auf.

Eine Venedig-Illustration aus der Taniguchi-Ausstellung

Eine Venedig-Illustration aus der Taniguchi-Ausstellung

Als Aussteller schafft man es leider kaum, sich etwas anzusehen, aber die Zeit am Stand mit den Mit-Fischen ist auch wunderbar (auch wenn es dieses Jahr durch unsere Platzierung recht warm dort wurde…). Immerhin konnte ich durch die Messehallen schlendern und ein paar Einkäufe erledigen. Im Vordergrund steht in Erlangen sowieso immer der „Klassentreffen“-Gedanke: Der Branchentreff wird vor allem zum gegenseitigen Wiedertreffen und Austauschen genutzt. So konnte ich in diesem Jahr liebe Online-Zeichner-KollegInnen wie Kami und Iruka erstmals im realen Leben kennen lernen und auch fernwohnende Freunde wie Pollux wieder treffen. Das ist für mich in jedem Jahr das Highlight des Salons! Besonders beeindruckt war ich in diesem Jahr auch von der Ausstellung mit Werken des japanischen Zeichners Jiro Taniguchi, dessen Detailgetreue mich echt umgehauen hat. Neben Naoki Urasawa ist er definitiv eins meiner zeichnerischen Vorbilder.

Für mich persönlich ziehe ich also (trotz wie immer zu viel ausgegebenem Geld) ein positives Fazit des Salons. Mehr über den Salon könnt ihr beim Lachwitz erfahren sowie auf den einschlägigen Portalen wie Comicgate und Splashcomics. Das Messefazit des Buddelfisch-Verlags findet ihr hier.

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Wenn man schon mal so weit südlich in unserer schönen Republik ist, sollte man die Gelegenheit nutzen, noch weiter zu fahren. 😉 Also machte ich mich mit meinem Reiseführer Benjamin auf den Weg nach München, wo ich bei zwei weiteren lieben Twitterfreunden unterkam. Danke nochmal dafür!

Dokumentationszentrum Obersalzberg

Dokumentationszentrum Obersalzberg

Die folgende Woche unter dem Motto „Bayern für Anfänger – Nordlicht auf Abwegen“ ging super schnell herum und war voll mit wunderschönen Orten. Am Montag starteten wir am Königssee bei Berchtesgaden, danach ging es weiter auf den Obersalzberg, der ein wirklich interessantes und empfehlenswertes Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte des Berges hat. Eine  TV-Dokumentation über den Berghof Hitlers findet ihr hier. Einen tollen Ausblick über die Gegend habt ihr von der (mautpflichtigen) Rossfeld-Panoramastraße – sofern ihr besseres Wetter habt als wir. 😉

Weiter ging es nach Salzburg, dessen Altstadt, wie ich feststellen durfte, nicht ohne Grund in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Ein die ganze Woche durchgehendes Wow-Erlebnis sollten die süddeutschen Kirchen für mich werden. Versteht mich nicht falsch, auch Norddeutschland hat große und schicke Kirchen – der Reformation sei Dank haben sie innen allerdings weitaus weniger Bling-Bling zu bieten als ihre Verwandten im Süden. Wir besichtigten unter anderem den Salzburger Dom, die Kollegienkirche und die Stiftskirche St. Peter mit ihrem Friedhof, die einiges zu bieten hatten. Um die Stadt nicht nur von unten aus den kleinen Gässchen zu betrachten, fuhren wir mit dem Aufzug (!) auf den Mönchsberg hinauf, der einen Ausblick auf die Innenstadt mit dem Fluss Salzach und auch die umliegenden Erhöhungen mit der Festung Hohensalzburg und weiteren Klosterbauten ermöglichte. Ein toller Blick! Natürlich ging es noch ganz touri-like an Mozarts Geburtshaus vorbei und auch die Mozartkugeln mussten noch als Souvenir erworben werden.

Tag zwei, immer noch mit wechselhaftem Wetter, stand ganz im Zeichen von München! Nach einem Gang durch den schönen und wirklich sehr grünen Englischen Garten (leider haben wir die Reiterstaffel nicht getroffen) gingen wir die Stadt erkunden.

Zum Glück hatte ich meinen sehr kundigen Reiseführer Benjamin dabei, sonst hätte ich vieles einfach übersehen. Leider konnte ich mir viele der wirklich interessanten Infos nicht so merken… Es war aber auf jeden Fall ein seltsames Gefühl an Orten zu stehen, die man bisher nur aus dem Fernsehen oder dem Geschichtsunterricht kannte, etwa auf dem Rathausplatz oder vor der Feldherrnhalle. Unter den Münchner Kirchen fand ich besonders die Asamkirche sehr beeindruckend, die von den gleichnamigen Brüdern (einer Architekt, einer Bildhauer und Stuckateur) eigentlich als Privatkapelle geplant worden war. Mehr Bling-Bling in einer Kirche geht wohl kaum.

Die berühmte Münchner Frauenkirche (ja, die aus dem „Lindenstraße“-Vorspann) hat natürlich auch einiges an Innenraumdekoration aufzubieten, vor allem aber eine interessante

Des Teufels Fußabdruck?

Des Teufels Fußabdruck?

Legende: Der Fußabdruck im Eingangsbereich, der an der Hacke einen kleinen Sporn hat, soll von keinem Geringeren als dem Teufel stammen. Eigentlich hatte dieser den Bau zerstören wollen, doch von diesem Punkt aus dachte er, dass der Bau keine Fenster habe und eh missraten sei, weswegen er triumphierend aufstampfte. Als er später merkte, dass er sich geirrt hatte, wurde er zu einem zornigen Wind um die Kirche zu zerstören – natürlich gelang es ihm nicht. Eine ähnliche Sage gibt es übrigens vom Bau des Domes zu Aachen.

Zum Abschluss des Tages schauten wir uns noch das Schloss Nymphenburg an. Hier wurde Ludwig II. im Jahr 1845 geboren. Lange diente es als Sommerresidenz der Wittelsbacher, aber auch heute wird es in Teilen noch von ihnen bewohnt. Besonderheiten sind die Park- und Grünanlagen sowie das ausgeklügelte Bewässerungssystem mit den Kanälen.

Panorama des Schlosses Nymphenburg

Panorama des Schlosses Nymphenburg

Der Mittwoch war dem Shoppen gewidmet (ganz blaulichtlike bei Haix in Mainburg), aber mit einem Besuch des Doms in Freising kulturell abgerundet. Abends durfte ein Essen in einem traditionellen bayrischen Wirtshaus nicht fehlen.

Donnerstag gingen die Bling-Bling-Festspiele weiter, allerdings dieses Mal nicht in einer Kirche, sondern in der Münchner Residenz. Das Münchner Stadtschloss war die Niederlassung der bayrischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Heute wird es als Museum genutzt und kann, zusammen mit dem Residenztheater und der Schatzkammer besichtigt werden. Mehr Infos findet ihr hier. Mehr sagen die Bilder:

Von Freitag auf Samstag ging es auf eine richtige Berghütte auf 1000 m Höhe, gelegen im Zillertal. Der Ausblick war wunderschön, zumal dort auch endlich besseres Wetter herrschte.

Das Finale der schönen Urlaubswoche war dann das Grönemeyer-Konzert in München am Sonntagabend. Ich habe gelacht, ich habe gesungen, ich habe geweint. Ein perfektes Konzert!

Danke an mein Buddelfisch-Team und die Zeichner-Kollegen für den wundervollen Comic Salon und an meine Gastgeber Benjamin, Phil und Sabine für die tolle Woche!

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