Retten, Löschen, Bergen, Schützen

In 10 Minuten muss die Hilfe da sein: Das ist in einer Stadt, deren 120 km² Fläche durch eine breite Meeresbucht in zwei Hälften geteilt wird, nicht immer einfach: Die Berufsfeuerwehr Kiel im Portrait

„Die Feuerwehr ist bereits alarmiert und auf dem Wege zu Ihnen.“

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Blick auf einen Arbeitsplatz in der IRLS

Dieser, ein bisschen Beruhigung schaffende Satz, führt zum Beginn fast jeden Einsatzes: Ein Notruf geht in der Integrierten Regionalleitstelle Mitte (IRLS) ein, die sich auf dem Gelände der Kieler Feuerwehr-Hauptwache am Westring befindet. Bis zu 1600 Anrufe werden hier jeden Tag entgegen genommen, im Jahr sind das bis zu 240.000 Gespräche. Ihr Zuständigkeitsbereich geht seit der Neuordnung der Leitstellen in Schleswig-Holstein weit über die Landeshauptstadt hinaus: Mit den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde ist die Leistelle insgesamt für 3300 km² Fläche zuständig; um die 650.000 Menschen leben im Einzugsbereich.

Seit Februar 2012 vermittelt man hier nicht nur Rettungskräfte an Hilfesuchende, sondern unterstützt die Ersthelfer vor Ort mit der Telefon-Reanimation, die die Anrufer durch die Wiederbelebung führt, bis der Rettungsdienst am Einsatzort eintrifft.

„Rettungsdienst, guten Tag, wo ist der Patient?“

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RD-Jacken in der Fahrzeughalle

Träger des Rettungsdienstes in der Stadt Kiel ist die Feuerwehr, die sich die Einsätze mit den Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst teilt. Durch die einheitliche Ausstattung der Rettungswagen (RTW) in Schleswig-Holstein finden sich alle gleichermaßen auf den Fahrzeugen zurecht. Der Rettungsdienst in Kiel und Umgebung fährt im Jahr ca. 50.000 bis 60.000 Einsätze, wobei die Hälfte davon Krankentransporte sind. Stationiert sind die RTW und NEF an den Feuerwachen in Kiel sowie an eigenen Standorten.

Die Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge der Kieler Feuerwehr werden von Feuerwehrleuten besetzt, die gleichermaßen im Rettungsdienst ausgebildet wurden. Sie absolvieren 12-Stunden-Dienste, während ihre Kameraden im Feuerwehrdienst 24-Stunden-Schichten fahren. Die Einteilung auf „blauen“ oder „weißen“ Dienst wechselt sich ab. Darüber hinaus gibt es als Bindeglied zwischen Ersthelfern und Rettungsdienst noch sog. „First Responder“: Sind die Rettungswagen aufgrund hoher Einsatzdichte gebunden, fährt ein Hilfeleistungsfahrzeug (HLF) der Feuerwehr raus, um bis zum Eintreffen von Rettungsdienst und Notarzt Hilfe zu leisten.

„Plastikteil von Herdplatte entfernt, quergelüftet.“

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DLK und HLF

120km² Größe umfasst das Einsatzgebiet der Feuerwehr Kiel, die ca. 56.000 Einsätze im Jahr absolviert, wobei die Zahl der Brandeinsätze seit Jahren rückläufig ist. Eine große Herausforderung ist dabei wie anfangs schon erwähnt die geografische Lage: Die Teilung der Stadt durch die Förde macht direkte Wege bisweilen unmöglich, weshalb es für beide „Seiten“ der Stadt, West- und Ostufer, eigene Feuerwachen gibt, die im Grunde gleich aufgebaut sind, aber jeweils auch Sonderaufgaben erfüllen. Ein Kieler Löschzug besteht immer aus folgenden Fahrzeugen: Ein Einsatzleitwagen (ELW 1, in der Regel ein VW T5), zwei identische Hilfeleistungslöschfahrzeuge (HLF20) sowie eine Drehleiter (DLK20). Die Besatzung stellen 16 Feuerwehrleute. Dazu kommen weitere Sonderfahrzeuge wie die Wechsellader Abrollbehältern. Der Dienst beginnt täglich um 07:30 Uhr und dauert 24 Stunden. Tägliche Rituale sind die Tagesbesprechung um 08:00 Uhr, die Routineüberprüfung von Fahrzeugen und Gerät, die gemeinsamen Mahlzeiten sowie vier Mal in der Woche Dienstsport um fit zu bleiben für die Aufgaben des Dienst- und Einsatzalltags.

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Blick auf die Ausrüstung eines HLF

Weitere Aufgaben sind die schriftliche Nachbereitung der Einsätze, aber auch die Arbeit in den Werkstätten, die in den Feuerwachen untergebracht sind. Hier können Reparaturen durchgeführt oder etwa Material vorbereitet werden. Unter anderem gibt es hier eine Tischlerei und eine Elektrowerkstatt. Das ist einer der Gründe, warum vor dem Beginn der Ausbildung bei der Feuerwehr eine sogenannte „feuerwehrdienliche Ausbildung“ vorgesehen ist, idealerweise die Lehre in einem Handwerksberuf.

Zusätzlich kümmert sich die Feuerwehr auch um den vorbeugenden Brandschutz: Die Beamten führen Brandschutzwachen durch und betreiben Brandschutzerziehung. Zusammen mit Aufklärungskampagnen und der Etablierung von Rauchmeldern konnte so die Zahl der Brandeinsätze immer weiter gesenkt werden.

Einen großen Teil der Einsätze machen daher heute vor allem die technischen Hilfeleistungen (TH) aus, also etwa die Bergung von Verletzten bei Autounfällen, die Beseitigung von Sturmschäden oder das Auspumpen von Kellern.

Eine wichtige und nicht wegzudenkende Unterstützung für die Kräfte der Berufsfeuerwehr Kiel sind die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt: Sechs der zehn Freiwilligen Feuerwehren werden immer parallel zu den Löschzügen der Berufsfeuerwehr alarmiert, um die Hilfsfristen trotz der langen Anfahrtswege einhalten zu können Dabei handelt es sich um die Wehren aus Kiel-Schilksee, -Rönne, -Wellsee, -Moorsee, -Meimersdorf und -Dietrichsdorf. Aber auch die anderen Freiwilligen Feuerwehren der Stadt wie Russee, Gaarden, Elmschenhagen und Suchsdorf werden bei bestimmten Einsatzstichworten (Feuer Mittel, TH-Mittel) parallel zu den Löschzügen der Berufsfeuerwehr mit alarmiert. Zudem bedienen sie wie auch die beiden Berufsfeuerwachen Sonderkomponenten des Aufgabenspektrums der Feuerwehr, etwa die Gestellung des Löschzugs Gefahrgut oder Logistik/Verpflegung.

Wem das zu viel Text war, der bekommt im neuen Video der Landeshauptstadt einen filmischen Überblick über die Berufsfeuerwehr Kiel:

Wer sich für noch mehr Details interessiert, sei auf die offizielle Seite der BF mit ihren Unterseiten verwiesen oder auf die ehrenamtlich gestaltete Seite „Einsatzkräfte in Kiel“, die sich auch allen anderen Blaulichtfraktionen der Stadt ausführlich widmet.

Die Bilder im Beitrag stammen von einem Einsatz im November 2013 und einem Besuch der Hauptfeuerwache im April 2015.

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