Theorie und Praxis im Zugtrupp

Samstag, 14.03., 5:44 Uhr. Das Handy geht. Die Computerstimme kräht: ALARMIERUNG!

Der letzte von acht aufregenden Tagen beginnt.

Aber von vorne.

Schon vor meiner Grundausbildungsprüfung im April 2014 hatte ich zusammen mit einem Kameraden Probedienste im Zugtrupp des THW Ortsverbandes Kiel absolviert. Die Arbeit dort gefiel mir, sodass ich mich dann dem Trupp anschloss. Doch was ist eigentlich ein Zugtrupp?

„An der Spitze des Technischen Zuges steht der Zugführer (Nein, nicht der hier. Anm. d. Red.) mit seinem Zugtrupp (ZTr).

Er führt den Einsatz des Technischen Zuges bzw. mehrerer Fachgruppen und ist damit die Schnittstelle zur Einsatzleitung der anfordernden Behörde, von der er seine Aufträge erhält. Der Mannschaftstransportwagen (MTW) ist ein Multifunktionsfahrzeug für den Aufgabenbereich des Zugtrupps und für weitere logistische Aufgaben des Technischen Zuges.“ (Quelle)

Soweit die Theorie. Was aber bedeutet das? Ganz einfach: Die Einheiten des THW (Bergungs- und Fachgruppen) agieren auf Anforderung. Zwischen dem Anforderer (zum Beispiel eine Stadt, ein Landkreis, eine Behörde) und den Gruppen vor Ort steht der Zugtrupp als örtliche Führungsstelle, die den Einsatz koordiniert. Er kümmert sich auch um Nachforderungen an Einheiten und Material.

Am ersten Samstag im März übten wir als Zugtrupp nun genau diese Aufgaben.

Beispiel einer Lagekarte

Beispiel einer Lagekarte

Da wir drei einfache Helfer im Vergleich noch recht neu im Zugtrupp sind und uns mit unseren Vorderleuten, dem Zugführer und dem Zugtruppführer, einspielen mussten, war das eine willkommene Gelegenheit, das bisher in der Theorie und ein bisschen in der Praxis gelernte Handwerkszeug anzuwenden. An insgesamt drei Stellen in der Region um Kiel bauten wir unsere Führungsstelle – also unseren Mannschaftstransportwagen – auf, um dort verschiedene Lagen infolge eines fiktiven Sturmtiefs über dem Kreis Rendsburg-Eckernförde abzuarbeiten. Die grundlegenden Abläufe sind dabei immer die gleichen, sodass wir schon ein bisschen Routine entwickeln konnten: Stellplatz suchen, Absichern, Stromversorgung durch Aggregat aufbauen, Einsatzdokumentation einrichten und führen.

Der letzte Punkt an sich beinhaltet dabei schon einen Haufen unterschiedlicher Aufgaben. Es gilt das Führen des Einsatztagebuchs (auf Papier oder PC), das Führen der Lagekarte und das Funken mit der übergeordneten Einsatzleitung sowie den untergeordneten Einheiten zu bewältigen. Ich bin daher echt froh, dass wir drei Helfer sind – also einer mehr als eigentlich vorgesehen. Am Nachmittag hieß es dann „Einsatzende“ und wir packten all unsere Utensilien ein und kehrten zum Ortsverband zurück.

Anstatt eines freien Sonntags stand mir dann jedoch eine etwa achtstündige Zugfahrt bevor, die mich ins baden-württembergische Neuhausen auf den Fildern führte. Das THW betreibt dort seinen zweiten Schulstandort neben Hoya. Während der Ort in Niedersachsen seinen Schwerpunkt bei den praktischen Ausbildungen hat (wie z.B. Kranführer, Befähigte Personen usw.), finden in Neuhausen vor allem Führungslehrgänge und die Ausbildungen für die Auslandseinsätze statt.

Zusammen mit 17 Kameraden und Kameradinnen lernte ich in dieser Woche also die Grundlagen der Führung, um für den Posten eines Unterführers (im THW sind das die Truppführer) qualifiziert zu sein. Um im System das begehrte „Q“ zu bekommen, das die Qualifikation für eine bestimmte Funktion anzeigt, folgt irgendwann noch ein zweiter Lehrgang, der die Fachkunde zur jeweiligen Gruppe, in diesem Fall eben zum Zugtrupp, beinhaltet. Themen dabei waren unter anderem Führungssystem, Ausbildungslehre, Kartenkunde und Menschenführung, aber auch Gefahren an der Einsatzstelle und belastende Einsätze, wobei die Theorie immer wieder durch praktische Anteile unterbrochen, wie etwa ein Teamspiel oder selbst zu haltende Unterrichtseinheiten. Am Ende stand eine schriftliche Prüfung, die das gewonnene Wissen abprüfte – puh, bestanden! Am Freitag ging es dann die acht Stunden zurück in den Norden (mit einer Bahnverspätung von 45 min).

Doch statt eines erholsamen Wochenendes erwartete mich am Samstag das:

ALARMIERUNG!

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Übung in der Geschäftsstelle

Womit wir wieder bei der netten Dame vom Anfang dieses Berichts wären. Zum Glück handelte es sich dabei nicht um einen realen Einsatz, sodass mein Kamerad, mit dem ich eh verabredet war, kurze Zeit später mit dem Auto vor der Tür stand. Nach dem Umziehen und dem Packen im OV machten wir uns auf dem Weg nach Husum zur Zugtrupp-Übung, an der neben Zugtrupps aus dem ganzen Geschäftsführerbereich auch die Fachgruppe Führung und Kommunikation aus dem OV Flensburg und die Geschäftsstelle selbst teilnahmen.

Vom Ortsverband Husum aus schickte uns die FK an eine fiktive Einsatzstelle, wo wir eine so genannte „Untereinsatzabschnittsleitung“ (UEAL, Behördendeutsch ftw!) bilden sollten, „unter“ uns der Zugtrupp aus Eckernförde. Die Lage stellte sich wie folgt dar: Ein Schiff hatte die Schleuse in Husum gerammt und war dabei zu sinken. Das Schleusentor war kaputt, die Mannschaft vermisst und auf dem Wasser begann Öl zu treiben. Nun war es an uns, die erforderlichen Einheiten für diesen Einsatz bei der FK anzufordern: Eine Fachgruppe Wassergefahren für die Arbeit auf dem Wasser, eine Fachgruppe Ölschaden für die Ölschadensbekämpfung (ach was!) und Bergungstaucher für die Arbeit unter Wasser. Um dabei den Überblick zu behalten, führen wir die Lagekarte mit der Einsatzkräfteübersicht und das Einsatztagebuch, das unseren Einsatz gerichtsfest dokumentiert. Wie es bei einer guten Übung Sitte ist, ging natürlich nicht alles glatt – insgesamt konnten wir jedoch viel mitnehmen. So änderten wir die Sitzverteilung in unserem Fahrzeug noch einmal und hatten noch Ideen zu den Einbauten im Heck.

Der MTW ZTr

Der MTW ZTr

Unser Auto mag von außen betrachtet das unscheinbarste zwischen den großen und besonderen blauen THW-Fahrzeugen wie LKWs und Kräne sein, aber es steckt doch eine Menge drin. Die mobile Führungsstelle verfügt in unserem Fall über mehrere Whiteboards, einen Laptop mit zusätzlichem Monitor, einen Drucker-Scanner-Kopierer-Kombigerät (bis DIN A3), ein Laminiergerät sowie Funk-, Verkehrssicherungs- und Erkundungsausrüstung. Im Notfall könnten wir auch mit dem Bergebeil losziehen. Versorgt wird die Technik über das mitgeführte Aggregat, aber auch ohne Strom sind wir handlungsfähig – ganz analog mit Stift, Papier und Karten oder Skizzen.

Nach drei Stunden „Einsatz“ endete die Übung mit einem gemeinsamen Mittagessen und der Verabredung, so etwas regelmäßiger zu wiederholen. Danke an den OV Husum für die Verpflegung!

Jetzt hatte ich endlich sowas wie Wochenende. 😉

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