Nürnberger Trichter – auf Lehrgang

Es ist hier zuletzt leider recht ruhig geworden – die Bundesanstalt kostet Zeit. Sie bringt aber auch unvergessliche Erlebnisse. Auch nach der bestandenen Grundausbildungsprüfung bilden sich die Helfer des Technischen Hilfswerks beständig fort. Und ich war in den letzten Wochen auch dabei.

Hat der Helfer seine GA-Prüfung bestanden, geht es mit der Fachausbildung in seiner Gruppe weiter, aber er kann auch Lehrgänge außerhalb des eigenen Ortsverbands oder Geschäftsführerbereichs besuchen, um sich fortzubilden oder zu spezialisieren.

Fahrzeuge von Landesverband und Geschäftsstellen vor dem Lehrsaalgebäude

Fahrzeuge von Landesverband und Geschäftsstellen vor dem Lehrsaalgebäude in Hoya

Dazu hat das THW in Deutschland eine eigene Bundesschule mit Standorten in Hoya (Niedersachsen) und Neuhausen auf den Fildern (Baden-Württemberg), in der theoretische und praktische Ausbildungen durchgeführt werden können. Mein allererster Lehrgang in meinem Wichtelleben führte mich nach Hoya um dort die Grundlagen der Verwaltungsarbeit im Ortsverband zu lernen. Die Notwendigkeit eines solchen Lehrgangs belegt einmal mehr, dass das THW eben kein Verein, sondern eine Bundesbehörde ist.

Das war, wie das Thema schon vermuten lässt, in der Tat recht trockener Stoff. Jedoch hatte die Woche auch durchaus ihre Highlights. So schafften es die Lehrenden trotz allem, den Stoff interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Das lag sicher auch daran, dass ein Großteil der Dozenten selbst aus dem Ehrenamt kommt und um die Schere zwischen Theorie in Lehrgang und Vorschrift sowie der Praxis im Ortsverband weiß und so hilfreiche Tipps für den Alltag geben kann.

Wasserübungsplatz Barme

Wasserübungsplatz Barme

Ein weiteres kleines Highlight hatte die Woche aber doch noch: Am Donnerstag bekamen wir die Gelegenheit, den Wasserübungsplatz der Schule in Barme zu besuchen. Dort befindet sich auch eine kleine Sammlung an historischen Wasserfahrzeugen (mehr Infos hier). Kompetent und interessant führte man uns durch die Hallen. Klappte alle Motivation von den Lehrenden mal nicht, trat das dritte Positivum auf den Plan: Die super Kameraden im Kurs! Dadurch ging die Woche wirklich schnell rum und es ging mit einem Haufen an Unterlagen (super zum Wiederholen und Nachschlagen) wieder nach Hause.

Berlin, Berlin! Wir fahren nach Berlin!

Doch schon am Sonntag ging es erneut los: Nach Berlin. Denn auch wenn es dort keinen Schulstandort des THWs gibt, finden dort Seminare für Helfer statt. Seminarort und Unterkunft war das Gästehaus des Bundesministeriums des Innern in Berlin-Johannisthal, also am südöstlichen Rand der Stadt. Die Unterkunft bestach zwar nicht durch besucherfreundliche Einrichtungen wie ein WLAN (wie in Hoya), aber durch riesige Zimmer.

Berlin BÖ-Lehrgang 126

Blick von der Paul-Löbe-Allee in Richtung Alexanderplatz

In diesem Lehrgang ging es um das Thema „Öffentlichkeits-arbeit“, das doch weitaus mehr Facetten beinhaltet, als viele von uns (mich eingeschlossen) im Vorfeld wohl gedacht haben mögen. So wurde nicht nur das Schreiben thematisiert, sondern auch der Umgang mit den Medien, das Wirken vor Kameras und Mikrofonen und die Planung von Veranstaltungen. Die Vielfalt der Themen macht klar, dass diese höchstens nur angeschnitten werden konnten, um dann später in den Nachfolgelehrgängen vertieft zu werden. Auch hier gab es ein wahres Füllhorn an Materialien für daheim. Der Rücktransport im Schienenverkehr gestaltete sich daher bisweilen recht knifflig…

Dass der Kurs ausgerechnet in Berlin stattfand, hatte natürlich auch damit zu tun, dass man den Status „Hauptstadt“ formidabel für das Seminarthema ausnutzen konnte. Daher hatten wir am Dienstagnachmittag die Gelegenheit, das Funkhaus des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) zu besuchen und uns im Rahmen einer Führung in die kleinen Geheimnisse von Funk und Fernsehen einweihen zu lassen. Das war wirklich interessant! Mich hat fasziniert, wie viel Arbeit es doch ist, allein die halbstündige allabendliche regionale Nachrichtensendung zu produzieren und wie viele Leute dafür gebraucht werden: 60 (in Worten: sechzig)! Imposant war auch der historische Gebäudeteil, besser bekannt als „Haus des Rundfunks“, das 1930 inklusive Paternoster erbaut worden war und seit 1957 vom rbb-Vorgänger Sender Freies Berlin (SFB) genutzt wurde.

Anschließend konnten wir im Paul-Löbe-Haus, einem Gebäude des Deutschen Bundestages, unseren Lehrgang fortsetzen. Neben Abgeordnetenbüros finden sich darin auch die Sitzungssäle, in denen beispielsweise parlamentarische Untersuchungsausschüsse stattfinden. Das

ZDF-Studio Im Zollernhof

ZDF-Studio Im Zollernhof

war schon beeindruckend! Von dort aus ging es weiter zum Brandenburger Tor (danke an dieser Stelle an die Beamten an der Absperrung hinter dem Reichstagsgebäude!) und dann Unter den Linden weiter zum Maredo. Das Restaurant befindet sich in dem kleinen Innenhof, in dem das ZDF sein „moma-café“ für das Morgenmagazin produziert. Die großen Kameras und die Beleuchtungstechnik an der Decke lieferten einen Eindruck davon.

Am Abend darauf überfielen wir noch den nahegelegenen OV Berlin-Treptow-Köpenick, in dem uns Christoph geduldig herumführte. Neben den Bergungsgruppen ist dem Ortsverband eine Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen (WP) zugeordnet. Außerdem ist die Logistik/Materialerhaltung mit dem Führer Logistik (klingt komisch, heißt aber so) dort angesiedelt. Die Liegenschaft war dahingehend besonders, als dass sie sich in einem sonst gewerblich genutzten Gebäude befindet, was dem Ortsverband zu einem beeindruckenden Empfangstresen verhalf.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass es wirklich zwei sehr interessante, aber auch lustige Wochen waren, die ich mit den Kameraden verbringen durfte. Sie haben mir wieder mal gezeigt, warum ich meine (Irren-)Anstalt so gerne mag. Es ist wirklich ein besonderer Menschenschlag! 🙂

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2 Kommentare zu “Nürnberger Trichter – auf Lehrgang

  1. Janina sagt:

    Das klingt richtig spannend. Gerade auf den Ausflug nach Berlin wird man nach deinen Beschreibungen ja richtig neidisch.. 😉

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