Mord, Nerd, Brot – Erlangen 2014

Der zweijährig stattfindende Comicsalon Erlangen wird nicht zu Unrecht als „Mekka“ der deutschen Comicszene bezeichnet. Dieses Jahr erfüllte auch ich erstmalig meine Pflicht zur „Hadsch“ und machte mich auf die Reise in ein fremdes Land…

Dies tat ich natürlich nicht allein: Der rasende Comic-Reporter Lachwitz lud mich nach einer Bahnetappe in seine türkisfarbene Rennsemmel (wird auf bundesdeutschen Autobahnen nur von leichten Steigungen und der Autobahnpolizei Hildesheim aufgehalten) und chauffierte mich in die deutsche Comichauptstadt.

Dort durfte ich die erste Nacht freundlicherweise bei der Lesbarkeit verbringen, die sich mit ihrem Mann wirklich sehr rührend um mich gekümmert hat und mich dann am nächsten Tag sogar beim „richtigen“ Hotel abgeliefert hat. Dort traf ich dann auch endlich meine lieben Verlagskollegen vom Buddelfisch und die Aufregung stieg so langsam merklich an.

Der „Internationale Comic Salon Erlangen“ findet seit 1984 alle zwei Jahre statt und wurde von ICOM-Mitgliedern initiiert und mit dem Kulturbüro der Stadt ins Leben gerufen. Kern des Salons ist die Comicmesse mit ihren Ständen der deutschen Comicverlage, -händler und -zeichner. Dazu kommt ein umfangreiches Programm an Ausstellungen, Vorträgen, Podiumsdiskussionen und, und, und… (Quelle)

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Schon vor dem Betreten der Heiligen Hallen hatte ich meinen ersten Glücksmoment: Ein Mumin! Der arme Mensch, der als Mumin-Walkact auf dem Salon unterwegs war (passend zur Tove Jansson-Ausstellung, die ich mir leider nicht ansehen konnte), sollte für die nächsten Tage so eine Art Meme bei mir werden… Drinnen war es dann auch schon sehr wuselig und wir machten uns sogleich daran, unsere abgesteckten Claims im super schick gestylten Bereich der Comic Solidarity zu bestücken. Dabei konnte ich zum ersten Mal „Brotgewalt“ und „Nerdology“, die Bücher meiner lieben Mitfische Dirk M. Jürgens aus Rendsburg und Gregor Schenker aus Zürich bewundern, die wirklich gelungen sind! Ein weiteres kleines Highlight an unserem Tisch waren die Sachen von Ralph Niese, der sich als Comic-Zeichner, Figuren-Bastler und Kartenspiel-Designer als wahres Multitalent entpuppte (und als Phantom des Salons, weilte er doch die meiste Zeit irgendwo außerhalb, was uns die Gelegenheit gab, seine Sachen zu verkaufen 😉 ).

Schon am ersten Tag hatte ich die Gelegenheit, einen Rundgang über den Salon zu machen, wobei es mir wahrscheinlich an keinem der Tage gelungen ist, wirklich alle Ecken zu erkunden – von den Veranstaltungen außerhalb von Rathaus und Heinrich-Lades-Halle mal ganz zu schweigen… Schade war dabei auch, dass der hastig kurz vor Beginn angekündigte Manga-Markt nicht auf den Plänen zu finden war – dort hätte ich mich wirklich sehr, sehr gerne umgesehen.

Dennoch gelang es mir, einiges von meiner Wunschliste zu besorgen und viele schöne Neuentdeckungen zu machen. Am wichtigsten waren jedoch die persönlichen Gespräche mit Zeichnern, Standbetreibern, anderen Besuchern (sehr coole Leute dabei!) und Verlagsleuten. Es ist wirklich eine Art gigantisches Klassentreffen (mit Parties und Saufen), bei dem aber auch Neulinge wie ich freundlich und offen aufgenommen werden. Zudem gelang es mir, ein paar Zeichnungen in die neuen Comics oder in mein Skizzenbuch abzustauben. Immer eine kleine Ehre.

Auch die Zeit am Stand war großartig. In wechselnder Besetzung hatten wir wirklich sehr viel Spaß und ich habe mich immer riesig gefreut, wenn Freunde wie Sarah oder mein „King of bad puns“  Eike auf einen Schnack vorbei kamen. Mit Staunen sah ich auch, wie sich „berühmte“ Zeichner (also für meine Verhältnisse) in unsere Ecke verirrten und manchmal sogar was kauften. Wow. Auch das ist, finde ich, ein Zeichen der Solidariät, die weit über unseren Stand hinausging. Bei den wirklichen Größen habe ich mich jedoch nie getraut, sie anzusprechen. xD

Mehr Skizzen aus Erlangen (und darüber hinaus) findet ihr hier.

Der für mich persönlich zweitwichtigste Punkt war denn auch das Schnacken und Planen neuer Projekte. Ich denke, wir Buddelfische konnten da einiges anschieben. Nach einer kleinen After-Erlangen-Pause wird es bei uns mit neuen Projekten weitergehen. Lasst euch überraschen!

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Ein tolles Erlebnis war auch der Besuch der „Cats“-Cosplayer, die uns sogar mehrfach beehrten und sich riesig freuten, als sie sich als Zeichnung verewigt sahen. Das wiederum freute mich sehr. 🙂 Insgesamt, fand ich, waren in den Hallen nur wenige Cosplayer zu sehen – vielleicht bin ich da von Manga-/Anime-Cons aber auch etwas arg verwöhnt. Die wenigen, die ich zu Gesicht bekam, waren dafür von einer sehr hohen Qualität.

Neben dem „Kerngeschäft“ des Salons, also den Ständen in den Hallen, gab es noch jede Menge Beiprogramm, von dem ich allerdings nur sehr wenig und v.a. aus Erzählungen etwas mitbekommen habe. Die Preisverleihungen und sehr interessanten Vorträge des Salon konnte ich leider überhaupt nicht verfolgen, mehr Infos dazu bekommt ihr unter anderem beim Lachwitz und bei Comicgate.

Was ich selbst sehen konnte, war die Ausstellung über die Comics von Jaques Tardi, an der man auf beeindruckende Weise sehen konnte, wie der Meister arbeitet. Überrascht haben mich dabei die teilweise zerschnittenen und neu zusammengeklebten Seiten, die sehr eindrücklich zeigen, dass auch ein Profi Fehler macht – und sie perfekt zu kaschieren und zu korrigieren weiß. Überhaupt übten die auch an manchen Ständen zu sehenden Originalzeichnungen eine unheimliche Faszination auf mich als Betrachter aus. Gerne mehr davon!

Als es dann am Sonntagmittag an den Standabbau ging, war ich schon sehr wehmütig. Ich bin bei sowas ja generell sehr nah am Wasser gebaut, konnte mich aber noch beherrschen. Ich glaube, ich brauche mindestens das Comicfest in München als Methadonprogramm. Aber mal sehen, was da noch alles so passieren wird. 🙂

Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses famose Wochenende möglich gemacht haben: Meine lieben Jungs und Mädels vom Buddelfisch, die Orga-Helden von der Comic Solidarity, den Zeichnerkollegen und allen Besuchern und Käufern! Ihr wart großartig!

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Auf mycomics.de findet ihr eine Übersicht mit mehr Artikeln, Filmen und Fotos. Auch der Kaiser schreibt Schönes von seinem Besuch.

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4 Kommentare zu “Mord, Nerd, Brot – Erlangen 2014

  1. Eike sagt:

    Yay, ich wurde sogar mit vollem Titel verewigt! 🙂

    Ich mag Panorama Bilder sehr gerne. Habe ich selbst dieses mal nicht dran gedacht. 😦

    War schön in Erlangen. Jetzt dauert es erst mal wieder bis zum nächsten Großereignis

    Eike

    • nessi6688 sagt:

      Na, aber selbstverfreilicht! 🙂
      Ich bin auch erst kurz vor Schluss drauf gekommen, dass ein Panorama nicht schlecht wäre.
      Ich habe dafür völlig verpeilt, in den anderen Hallen Übersichtsbilder zu machen. 😦

      Ja, vielleicht klappt ja München, wer weiß…

  2. Vanessa, auch vom gesamten Buddelfisch-Kollegenapparat vielen vielen Dank für deinen großen Einsatz, auch nochmal blogseitig! Auf viele viele weitere Jahre salzige und süße Comics! Es ist toll mit euch 🙂

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