Blaues Wochenende

Keine Angst, ich erzähle ich heute nicht von irgendwelchen Sauftouren und Trinkgelagen, sondern von meinem letzten Wochenende, das ganz vom THW ausgefüllt war. Es ging um kollidierte Schiffe und schwimmende Gummienten.

Samstag, 6 Uhr früh: Auf Höhe Laboe waren auf der Kieler Förde zwei Schiffe kollidiert. Ein Ölbunkerschiff verliert seine Ladung – der Ölteppich bewegt sich in Richtung Innenförde.

Das war das Ausgangsszenario für die groß angelegte Ölwehrübung in Kiel, an der die Freiwilligen Feuerwehren von Eckernförde, Rendsburg, Wendtorf und Kiel-Russee, die Berufsfeuerwehr Kiel und Depotfeuerwehr Jägersberg, die THW-Ortsverbände Eckernförde, Kiel, Flensburg, Eutin und Bad Segeberg, die Firmen Stallzus aus Kiel, Feldmann aus Lübeck und die Schlepp- und Bugsierreederei Fairplay Torwage aus Hamburg teilnahmen (Quelle).

Um kurz nach sechs machten wir uns also auf den Weg nach Friedrichsort, um in Sichtweite des Leuchtturms unser Lager aufzuschlagen und unsere Fahrzeuge und Gerätschaften aufzubauen. Auf einer großen Wiese wurden also die Fahrzeuge aller beteiligten Organisationen abgestellt, am Deich bzw. auf der Straße wurden die Dekontaminationsbereiche für Personen und Gerät aufgebaut (Dekon-P und Dekon-G genannt), und auch die Fachgruppe Führung/Kommunikation aus Flensburg baute ihre Einsatzzentrale auf um den Einsatz zu koordinieren.

In der Dekon-P wurden die Einsatzkräfte darauf vorbereitet, in den Schwarzbereich – also die mit Öl kontaminierten Strandabschnitte – zu gehen. Das bedeutete, Kleidung und Ausrüstung abzugeben und in Schutzanzüge zu schlüpfen und Masken anzulegen.

Mit den Spezialfahrzeugen namens Hägglunds und zu Fuß machten sich die Helfer dann auf, den Strand von Hand oder mit der Hilfe von vielerlei Gerätschaften zu reinigen. Es sah ein bisschen aus wie in einem Katastrophenfilm à la „Outbreak“ mit Dustin Hofmann, als die Helfer in ihren Ganzkörperkondomen durch den Sand stapften.

Währenddessen bereitete man an beiden Ufern der Friedrichsorter Enge die Ölsperre vor, die für einen kleinen Moment die ganze Förde absperren sollte. Das Ölbekämpfungsschiff MS Kiel zog die Sperre langsam auf die Förde hinaus und um 12.17 war es dann tatsächlich soweit: Die Förde in ihrer ganzen Breite war gesperrt. Die Wasserschutzpolizei sicherte die Sperrung von beiden Seiten. Das war wirklich beeindruckend zu sehen!

Überhaupt war ich recht aufgeregt; war das doch immerhin meine allerallererste Übung und ich wusste noch nicht so wirklich, was ich so machen muss. Aber ich glaube, es hat einigermaßen funktioniert. 😉

Der Weg vom Örtchen zum Essen.

Der Weg vom Örtchen zum Essen.

Morgens und mittags waren wir übrigens in der alten Festung Friedrichsort bewirtet worden. Ein altes Gebäude mit spannender Geschichte, wie ihr zum Beispiel hier nachlesen könnt.

Am Nachmittag begann dann so langsam der Rückbau und am frühen Abend waren wir dann wieder im OV, wo es galt, die Fahrzeuge aufzuräumen und noch ein paar Dinge für den Sonntag vorzubereiten.

Mehr Bilder und Infos zur Übung auf KN-Online, bei NDR.de/sh und beim THW.

ENTE ENTE ENTE

Da ging es dann nämlich schon wieder weiter: Am Sonntag wurde an der Kiellinie der zweite Tag des Kinderfestes gefeiert, dessen traditioneller Höhepunkt wie auch in den letzten acht Jahren das Entenrennen sein sollte, das für einen guten Zweck stattfindet. Dabei werden zuvor von den Teilnehmern gekaufte Quietscheentchen in einem großen Sack zu Wasser gelassen und mit Wind und Bootsmotorschraube ins Ziel getrieben – es winken Preise im Wert von mehreren tausend Euro, er Erlös wird gespendet.

Die technische Komponente des Rennens übernehmen dabei Feuerwehr und THW. Während die Feuerwehr mit ihrem Kran die Enten zu Wasser lässt und mit ihrem Boot vorantreibt, stellt das THW die Ölsperren, die die Rennstrecke begrenzen (nichtsdestotrotz gab es ein paar freiheitsliebende Abtrünnige), ein Boot als Zieleinlauf und Rennauswertung, und ein Floß am Startpunkt. Dazu begleitet ein Schlauchboot die Enten auf ihrem Weg.

Zeitig fing morgens der Bau des Floßes an:

Zwischendurch hatten wir etwas Zeit, uns das Kinderfest anzugucken und ich nutzte diese natürlich auch um Fotos zu machen. Nach dem Sponsorenrennen mit großen Enten, die von Firmen gesponsert werden begann dann um 14:30 das richtige Entenrennen mit über 9500 Enten, die zum Teil aufwendig bemalt und verziert worden waren. Die Kaikante und die Fähranlegerbrücke waren trotz des eher suboptimalen Wetters gut gefüllt – wobei es sich nach dem Rennen auch schnell wieder leerte…

Mit dabei war auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, der schon zu seiner Zeit als Kieler Oberbürgermeister Schirmherr der Veranstaltung war. Er konnte sich das sprichwörtliche Treiben (auf der Förde) von einem Schiff aus angucken.

Nach dem Ende des Rennens begann das Registrieren der Gewinnerenten und dann das große Abschöpfen der kleinen Entonys. Säckeweise wurden die gelben Quietscher wieder an Land getragen. Einige flogen auch ins wartende Publikum. Dennoch war von Anfang an klargemacht worden, dass nicht jeder seine Ente an Ort und Stelle wiederbekommen konnte. Leider wollten das nicht alle einsehen.

Ich wiederum möchte mich bei dem Passanten bedanken, der mir quasi im Vorbeilaufen eine Ente schenkte – danke! 🙂 Woher allerdings der kleine Affe kam, der auf einmal an meinem Helm auftauchte, konnte bisher nicht geklärt werden… Er sucht übrigens noch einen Namen.

Die Feuerwehr erklärte sich zum Glück bereit, unser Floß aus dem Wasser zu kranen, sodass wir danach das Floß nur noch demontieren, die Teile einladen sowie das Schlauchboot aus dem Wasser ziehen und verlasten mussten. Nach dem Aufräumen im OV klang der Abend mit einem gemeinsamen Essen aus.

Es war zwar auch ein bisschen anstrengend, aber gleichzeitig war es ein aufregendes und schönes Wochenende. Ich glaube, ich bin hier richtig. 😉

Das Entenrennen auf der offiziellen Seite, bei KN-Online und beim THW.

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