Tag der Arbeit

… das ist der 1. Mai in Hamburg vor allem für Polizei und andere Einsatzkräfte. Doch was sich um die Ereignisse herum, die ihren Weg in die Nachrichten finden, abspielt, ist den meisten unbekannt.

Während ich mich in den letzten Jahren aus Sicherheitsgründen immer vom Trubel des 1. Mai in Hamburg ferngehalten hatte (alleine dort im „Krisengebiet“ herumzustreunen, nur um Einsatz- und Einsatzfahrzeugfotos zu machen, erschien mir schlicht zu riskant), sollte es dieses Jahr anders sein. Auf spontane Einladung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg machte ich mich am Vormittag des Maifeiertags auf den Weg in die Hansestadt, um gemeinsam mit den Gewerkschaftern die Einsatzkräfte vor Ort zu betreuen.

Wawe 10 der Polizei Hamburg

Wawe 10 der Polizei Hamburg

Der 1. Mai mit der vorherigen Walpurgisnacht ist traditionell ein Großkampftag für die Hamburger Polizei und die Unterstützungskräfte. Während es in den letzten Jahren schon nachts häufig zu Krawallen kam, kümmerte man sich in diesem Jahr tagsüber um die angemeldeten Demonstrationen von DGB und linken Gruppierungen. Um 10:30 startete der Aufmarsch der Gewerkschaften unter dem Motto „Arbeiten in Europa!” mit den Themen Europawahl und Mindestlohn mit 5600 Teilnehmern; auch der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und die Polizeigewerkschaften BdK, DPolG und GdP nahmen daran teil. Mit 1300 Teilnehmern führte ab 13:00 Uhr der Aufzug “Parade & refugees welcome club Hamburg” durch die Stadt und endete an der Sternschanze, wobei die Route auf Wunsch des Veranstalters von der Polizei verkürzt wurde. Nach 16 Uhr betraten Teilnehmer dieses Umzugs eine leer stehende Schule in der Laiszstraße und erklärten diese für besetzt. Gegen Abend startete dieses Jahr dann die sog. „Revolutionäre 1. Mai-Demo“ am U-Bahnhof Feldstraße (angemeldet mit 1000 Teilnehmern), der Einsatzschwerpunkt 2014. Schon kurz nach Beginn stoppte der Zug und es kam zu Gewalttätigkeiten gegen die eingesetzten Kräfte. Einen Liveticker der Ereignisse findet ihr zum Beispiel hier.

Beamte der Bereitschaftspolizeien aus Hamburg, Schleswig-Holstein und von der Bundespolizeiabteilung Uelzen waren vom 30.4. bis 2.5. im Schichtsystem im Einsatz (einige am 1. bereits seit 8 Uhr früh), dazu kamen die Beamte der Reviere, die sich um Straßensperrungen und den Trubel rundherum kümmerten – parallel liefen schon die ersten Aufbauarbeiten zum Haspa Marathon am 4. Mai. Ein Großteil des Tages bestand für die meisten Beamten aus Warten: In den Unterkünften, in Bereitstellungsräumen rund um das Heiligengeistfeld, wo noch die Abbauarbeiten des Hamburger Doms liefen, oder in den Fahrzeugen wie den Wasserwerfern, in denen es sehr warm werden konnte, und den GruKws. Hier setzten die Gewerkschaften mit der Betreuung an. An Bord der Gewerkschaftsautos waren heiße Würstchen, Kaffee und Kakao sowie Schokoriegel und Obst, die wir an die Beamtinnen und Beamten ausgaben, was ausschließlich sehr positive Resonanzen hervorrief. Gerade die Schleswig-Holsteiner Bereitschaftspolizisten freuten sich sehr, dass man ihnen etwas Gutes tun wollte. Das war schon ein gutes Gefühl! 🙂 Zuerst versorgten wir am Nachmittag in der Verkehrsdirektion in der Stresemannstraße den WS-Einsatzzug, bevor sich die Geschehnisse am Abend um das Heiligengeistfeld verlagerten.

BFHu der BPOLAbt Uelzen auf dem Heiligengeistfeld

BFHu der BPOLAbt Uelzen auf dem Heiligengeistfeld

Bisweilen kamen auch prominente Gesichter bei uns vorbei. So gesellte sich am Nachmittag Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) zu uns (der jetzt den Vereinsnamen von KGgP zumindest mal gehört hat), während wir abends auf dem Heiligengeistfeld den Pressesprecher der Hamburger Polizei, Mirko Streiber trafen.

So pendelten wir bis abends um 23 Uhr zwischen den verschiedenen Standorten. Ab Beginn der abendlichen Demo hörten wir zwar immer wieder das Knallen von Böllern, ansonsten bekamen wir aber nur aus den Gesprächen mit den Versorgten mit, was ein paar Straßen weiter passierte. Immer wieder kam es vor, dass die Kräfte während der Gespräche schnell verlegen mussten, wenn sich die Situation änderte. Auch wenn es uns im Vergleich zu vorigen Jahren und zu den Ereignissen im Dezember relativ ruhig vorkam, sollten dennoch am nächsten Morgen 18 verletzte Polizisten zu vermelden sein.

Nachdem uns dann schließlich unsere Vorräte endgültig ausgegangen waren (als erstes waren schon lange vorher die Würstchen alle geworden) und sich die Bereitstellungsräume leerten, weil alle noch verbliebenen Kräfte in den Einsatz mussten, entschieden wir uns, unseren Betreuungseinsatz zu beenden. Kurz nach 23 Uhr machte ich mich auf den Heimweg – mit dem Gefühl, eine gute Tat getan zu haben und viele neue Erfahrungen gewonnen zu haben.

Für die eingesetzten Kräfte ging die Nacht weiter – und für die Hamburger stand das Wochenende bevor: mit dem Unterstützungsdienst auf dem Kiez.

Danke an Ray Goebeler für die Idee, Niels Sahlinger für die Organisation, Gerhard Kirsch für die Kamera und an die, die mich mitgenommen haben: Björn-Michael Schüning, Stefan Mehring und Wolfgang Koch!

Klarstellung: Auch wenn ich jetzt dankenswerter Weise zwei Mal mit der GdP unterwegs sein durfte, verstehe ich mich als Mitglied des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten“ als gewerkschaftsunabhängig und überparteilich.

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Ein Kommentar zu “Tag der Arbeit

  1. […] ich am 1. Mai aus Hamburg zurück nach Kiel fahren wollte und am Dammtor-Bahnhof auf den anscheinend verspäteten […]

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