Kaffee Kochen und Kopieren (Teil 1)

… daran denkt man beim Begriff „Praktikum“ wahrscheinlich als erstes. Aber glücklicherweise sollte es ganz anders laufen.

Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass ich im letzten Jahr bei der Bundespolizeidirektion (BPolD) Bad Bramstedt zu Gast war, um Projekte anzuschieben. Daraus resultierte ja schon die Teilnahme am Fußballeinsatz zum Spiel Kiel gegen Rostock und nun war es auch endlich an der Zeit ein zweiwöchiges Praktikum in der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Beschwerdestelle der Direktion zu absolvieren.

Der Montag begann recht entspannt mit einer Bahnfahrt nach Bad Bramstedt; mit Umsteigen in die AKN in Neumünster (was für eine Entschleunigung und auch ein bisschen Zeitreise!). Kurz nach neun trudelte ich also in der Liegenschaft ein, wo mich ein „Kollege auf Zeit“ abholte – man war gerade mitten im gemeinsamen Frühstück,  das immer um neun Uhr stattfindet.

Gemeinhin verbindet man mit der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit/Beschwerdestelle vor allem Presseberichte, entweder durch O-Töne und Zitate oder durch die Pressemeldungen, die mittlerweile online im Presseportal abrufbar sind. Solch ein Pressegespräch fand dann am Montag auch gleich statt; zu Gast war eine Redakteurin der für Bad Bramstedt zuständigen Segeberger Zeitung (SZ). Nach dem Gespräch, das etwa eine Stunde dauerte und die vielfältigen Aufgaben der Direktion zum Thema hatte, galt es noch, der Journalistin Bilder für den Artikel zur Verfügung zu stellen. Der Bericht sollte schließlich am Freitag erscheinen und ging fast über eine ganze Seite:

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Aber stellen wir doch zunächst mal die gleichen Fragen wie der Besuch von der SZ: Was genau macht die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt eigentlich? Die Direktion, die seit der Reform 2008 in dieser Form existiert, ist zuständig für die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, ihr sind dort neun Bundespolizeiinspektionen unterstellt. Dazu verfügt sie als einzige BPol-Direktion mit der BPol See über eine maritime Einsatzkomponente. Standorte sind Neustadt in Holstein, Warnemünde und, außerhalb der eigentlichen regionalen Zuständigkeit, Cuxhaven in Niedersachsen.
Ihre Aufgaben sind vielfältig:

–          grenzpolizeilicher Schutz des Bundesgebietes (Grenzschutz),

–          Aufgaben der Bahnpolizei,

–          Aufgaben auf der Ost- und Nordsee,

–          Mitwirkung an polizeilichen Aufgaben im Ausland unter Verantwortung der Vereinten Nationen oder anderer internationaler Organisationen,

–          Unterstützung des Auswärtigen Amtes zum Schutz deutscher, diplomatischer und konsularischer Vertretungen im Ausland,

–          Unterstützung des Bundeskriminalamtes im Schutz- und Begleitdienst (Personenschutz),

–           Unterstützung der Polizeien der Bundesländer, insbesondere bei Großeinsätzen

(Quelle)

Und auch die Aufgaben der Pressestelle sind umfangreicher als man vielleicht auf den ersten Blick denken mag. Neben der eigentlichen Pressearbeit bearbeitet die Stabsstelle auch eingehende Beschwerden, kümmert sich um Besucher wie Polizisten aus anderen Ländern, Prominenz oder Politik und plant Veranstaltungen – sowohl interne wie Mitarbeiterfeste und Empfänge als auch öffentliche wie Tage der offenen Tür oder das Standortjubiläum.

Tag eins des Praktikums bestand danach dann hauptsächlich aus den Dingen, die man am ersten Tag halt so tut: Man bekommt die Örtlichkeit gezeigt und wird einigen Leuten vorgestellt, die mich alle freundlich begrüßten. So lernte ich das Gebäude 2/2a kennen und fand im Präventionsbeauftragten auch eine Fahrgemeinschaft von und nach Kiel, die mir fürderhin die Bahn ersparen sollte. Zugleich keimte die Idee für ein Projekt im Präventionsbereich.

Ab dem zweiten Tag wurde ich dann morgens um 05:50 Uhr liebenswürdigerweise von einer „Kollegin“ eingesammelt und mit zum Sammelpunkt der Fahrgemeinschaft im Stadtteil Südfriedhof genommen, sodass wir dann zu viert nach Bad Bramstedt zuckelten, wo wir immer gegen kurz vor sieben eintrafen (es gilt übrigens Gleitzeit mit Kernarbeitszeit und Logging-System). An diesem Tag durfte ich morgens mit in die „große“ Lagesitzung unten neben der Einsatzzentrale, in der die wichtigen Ereignisse des letzten Tages bzw. der letzten Nacht aus den Inspektionen und dem Bereich See zusammengetragen wurden. Das ist für die PÖA wichtig um zu wissen, für welche Geschehnisse ggf. Pressemeldungen gefertigt werden sollten oder zu welchen Themen Presseanfragen auflaufen könnten. Aus gleichem Grund wird auch direkter Kontakt zur Einsatzzentrale gehalten, die die Pressestelle bei Wichtigem sofort informiert. Die Zentrale mit drei großen Arbeitsplätzen ist 24 Stunden besetzt, bei Großlagen in Maximalstärke.

Nachdem die Neuigkeiten aus der Lage und die Pläne für den Tag beim Frühstück erörtert worden waren, ging es daran, sich weiter den Vorbereitungen der zwei großen Jubiläen in diesem Jahr zu widmen. Zum einen feiert der Bereich See in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen, was mit zwei im August gleichzeitig stattfindenden Tagen der offenen Tür in Neustadt und Cuxhaven gefeiert werden soll. Zudem wird es Anfang Mai im Rahmen des Hamburger Hafengeburtstages einen Empfang für geladene Gäste geben. Für Besucher beider Veranstaltungsarten soll es eine Broschüre geben, die einen Abriss über die Geschichte des Bereichs See gibt, jeweils in einer eigenen Ausführung. Das Design dafür stand bereits fest; nun ging es darum, die Texte, die von den Inspektionen zugeliefert wurden, zu korrigieren, zu kürzen und zu vereinheitlichen, eigene Texte anzufertigen und die Bilder auszuwählen.

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Meine Aufgabe sollte es sein, die Texte aus den Inspektionen als externer Leser auf Rechtschreibung und Verständlichkeit zu prüfen. Ein altbekanntes Phänomen, das auch hier wieder auftauchte, ist dabei der Abkürzungsfimmel (Abkfim), der neben den Fachworten das Verständnis für den nicht vorbelasteten Leser erschwert. Hier war einiges zu tun. Aber gleichzeitig war es auch sehr, sehr spannend, sie zu lesen, boten sie doch einen Einblick in Historie und Arbeit der Inspektionen – und auch ihrer Heimatorte.

Das zweite Jubiläum, das schon seine Schatten vorauswirft, ist das 50jährige Jubiläum des Standortes Bad Bramstedt, das gemeinsam mit dem 100jährigen des Bramstedter Turnvereins im Juli gefeiert werden wird. Da es für das Jubiläum der BPol See auch ein eigens erstelltes Logo gibt, das bereits nicht nur auf Briefköpfen und Plakaten, sondern auch auf einer Tasse verwendet wird, kam bei den Mitarbeitern die Idee bzw. der Wunsch auf, für BBS ebenfalls eine Tasse mit Logo zu gestalten. Nessa sieht einen Entwurf auf des Chefs Schreibtisch liegen und bastelt mal drauf los…  Ob die Tasse dann auch so produziert wird, ist bisher aber noch nicht abschließend geklärt.

Erster Tassenentwurf

Erster Tassenentwurf

Meine Hauptaufgabe an Tag zwei war es denn auch weiter Texte zu korrigieren, zum Glück eine Beschäftigung, die ich zum einen gern mache und in der ich zum anderen durch die Uni auch genügend Übung habe.

Außerdem machte Kollege Wolfgang an diesem Tag ein Foto von mir, das zusammen mit einem kleinen Vorstellungstext durch den E-Mail-Verteiler gejagt wurde  – ab diesem Tag kannte mich also das ganze Haus und ich wurde deutlich häufiger gegrüßt und nach meinem Befinden gefragt. 😉 Lustigerweise wurde ich allerdings noch auf keiner Dienststelle so konsequent gesiezt wie hier (wenn auch mit ein paar Leuten als Ausnahme). Das amüsiert mich immer noch ein bisschen.

Spannend an diesem Tag war noch der Besuch im Fahrzeugwesen, zuständig für ganze Direktion. Der Schirrmeister  erklärte mir freundlicherweise ausführlich die Organisation (ähnlich zum THW) und die verschiedenen Ausbaustufen der Zivilfahrzeuge, die vom Fabrikzustand bis zur kompletten Polizeiausstattung reichen. Daneben gab es auch einen Einblick in den elektrisch betriebenen Nissan Leaf. Einer von zwei Opel Ampera, die die Bundespolizei angeschafft hat, ist ebenfalls in BBS stationiert, war jedoch wegen des Praktikums in Lübeck zum Bekleben. Was aber nicht bedeutete, dass es nicht genügend Fotomotive gegeben hätte…

An Tag vier konnte ich dann meine Erfahrungen in Hauptarbeitsfeld ausspielen: Das Planen und Umsetzen von Comics. Der Präventionsbeauftragte und ich konzipierten gemeinsam eine Bildgeschichte zur Vermeidung von Unfällen an Bahnübergängen. Ausgehend von einem völlig zerstörten Opel Astra, der als echtes „Unfallopfer“ im Rahmen der Prävention auf Tour gehen soll, ersannen wir einen möglichen Unfallhergang (jedoch einen anderen als in Wahrheit), die ich auf vier Seiten zunächst als Skizze und am folgenden Wochenende auch als ordentliche Bleistiftzeichnung umsetzte. In der nächsten Woche sollten diese Seiten dann von den P-Beauftragten der Inspektionen gegengelesen werden – sie lieferten wirklich wertvolle Anregungen und freuten sich darüber, in das Projekt eingebunden zu werden.

Auch das zweite größere Projekt startete an diesem Tag. So begab es sich, dass es für die kleinen Besucher der Bundespolizei zwar ein Auto, eine Mütze und einen Bären zum Basteln gab, aber kein Schiff. Im Jubiläumsjahr der BPol See natürlich kein hinnehmbarer Zustand. Tatsächlich versuchte man wohl schon seit vier Jahren immer wieder, so etwas auf die Beine zu stellen.

Leichtsinnig hatte ich am Mittwoch angeregt, das mal versuchen zu wollen – jedoch ohne Garantie auf Erfolg… Da ich so etwas noch nie zuvor erstellt hatte, suchte ich mir eine Vorlage in Form des Zollboot-Bastelbogens, der noch bei mir unterm Bett einstaubt… Die Fachkraft in Form von Frank aus dem Bereich See befand diese Vorlage jedoch richtigerweise als zu eckig und fehlerhaft, sodass es mir nun oblag, etwas Besseres zu bauen. Also Laptop eingepackt und ran ans Photoshop… So verbrachte ich fast den kompletten Tag im Büro mit dem Bastelbogen, den ich dann abends glücklicherweise im kleinen Format testbastelte. Denn so wurde klar, dass ich im Rumpf noch einen eklatanten Fehler eingebaut hatte. Nach drei Rumpfwracks auf dem Schreibtisch klappte der Zusammenbau dann auch endlich. Ein schönes Gefühl!

Der Prototyp

Der Prototyp

Am folgenden Tag ging es dann an den Feinschliff und nicht zuletzt auch um die Namensgebung. Geplant hatte ich die Aufbauten auf der Grundlage von Fotos des Einsatzschiffes „Bredstedt“. Um möglichen Fragen und Diskussionen aus dem Weg zu gehen, entschloss man sich dann zum Losen, woraufhin sinnigerweise die „Bad Bramstedt“ als Siegerin hervorging und nun Namenspate des Bastelbootes ist. Ein Testdruck auf DIN A3 bestätigte meinen guten Eindruck vom kleinen Testmodell.

Zufrieden verabschiedete man sich gegen 14 Uhr ins Wochenende. Die erste von zwei Wochen war rum.

Fortsetzung folgt…

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3 Kommentare zu “Kaffee Kochen und Kopieren (Teil 1)

  1. […] Inspektion untersteht der BPOLD Bad Bramstedt, die ihr ja schon aus meinen Artikeln vom Februar kennt. Ihr wiederum unterstellt sind in Kiel das Bundespolizeirevier am Hauptbahnhof sowie […]

  2. […] das Schönste an diesem Tag war jedoch, all die Leute wiederzutreffen, die in meinem Praktikum im Februar für kurze Zeit meine Kollegen gewesen waren. Das hat mich wirklich […]

  3. […] jedoch der Hafenbereich. Auf dem Weg dorthin wurde ich erst einmal von meinem „Chef“ aus dem Praktikum im Februar begrüßt: „Frau […]

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