Fußball ist unser Leben

„Es gibt A-, B- und C-Fans – und Fans von Hansa Rostock.“ Das war die Prämisse, die in Kiel den größten Polizeieinsatz des Jahres ausgelöst hatte. Warum es am Ende doch ganz anders kam als gedacht und was ich da zu tun hatte, lest ihr hier…

Durch eine glückliche Fügung verschlug es mich ja vor Kurzem zur Pressestelle der Bundespolizeidirektion nach Bad Bramstedt und dort wurde mir angeboten, den Fußballeinsatz zum kleinen Nordderby zwischen der Kieler SV Holstein und dem F.C. Hansa Rostock zu begleiten um dort Fotos zu schießen, die als Vorlage für neue Zeichnungen dienen sollten.

Bevor ich mich jedoch am Samstagmorgen auf den Weg zum Bahnhof machte, drehte ich eine kleine Runde zum Stadion. Schon als ich mich zuhause in die Jacke schmiss, konnte ich die Kolonnen an Einsatzfahrzeugen der Landespolizeien aus Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sehen, die auf dem Weg zum Bereitstellungsraum waren. Die meisten Fahrzeuge standen in der Kaserne Belvedere nebenan, sodass dort leider nicht viel zu sehen war. Doch auch vor dem Stadion konnte man ein paar Fahrzeuge erhaschen.

In und auch vor dem Bahnhof hatten sich die Beamten schon postiert, um ab 11 Uhr die ersten Rostocker Fans zu erwarten. Über dem Stadion kreiste „Pirol“, der BPOL-Hubschrauber, der beeindruckend gute Livebilder vom Geschehen lieferte. Dabei erschwerte es die Arbeit der Beamten ungemein, dass die Fans der Kogge nicht, wie vom Verein angeboten, in bestellten Sonderzügen geballt reisten, sondern grüppchenweise in vielen verschiedenen Zügen; mal über Hamburg, mal über Lübeck. Anstatt eine große Gruppe von Leuten geordnet und in einem Rutsch in die Busse verfrachten zu können, wurde auf die kleckerweise Eintreffenden gewartet. Glücklicherweise gab es auch bis auf Gebrülle und ein bisschen Harndrang keine Auffälligkeiten, sodass alles friedlich blieb: Keine Pyros, keine Flaschen, keine Steine. Man machte sich jedoch Sorgen um den Spielverlauf und die Reaktionen auf das Spielergebnis, zumal Kiel nach 15 Minuten 1:0 in Führung ging.

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Panorama der Bereitstellung an der Kaiseite

Bald erreichten uns auch Nachrichten von der Landespolizei, die im Stadion für Ordnung sorgen wollte. Neben den im Fernsehen zu besichtigenden Fans, die mit Bierkasten (bei Flaschenverbot) auf einer der Stadionüberdachungen standen, gab es wohl noch andere Probleme. Nach Ärger im Gästeblock sollen Ordner leichtsinnigerweise nur zu zweit hineingegangen sein und bekamen prompt Regenschirme auf den Kopf. Auch sollen die Hanseaten einen Imbisswagen auseinandergenommen haben. Die Steinewerfer wurden bereits vor Spielbeginn aus dem Block O geholt.

Um kurz vor 16 Uhr sickerte am Bahnhof die Meldung durch, dass der Hamburger Hauptbahnhof wegen eines Wasserwerfereinsatzes in Gleisnähe in der Schanze nicht angefahren kann und die Züge daher in Dammtor enden. Das stellte die Polizei vor Probleme: Wie bringt man das den Fans bei? Wie kriegen wir bummelig 700 Fans in kleinen LINT-Dieseltriebwagengarnituren über Lübeck nach Hamburg, ohne dass sie sich in Kiel oder Lübeck mit Bahnhofskoller stauen? Zur Sicherheit wurden kurzfristig die Kräfte in Lübeck aufgestockt, die Stimmung und der Einsatzleiter waren sehr angespannt. Immerhin schien der Einsatzleitung das Ergebnis, ein 2:2, entgegen zu kommen.  Der Worst Case wäre sicher ein Heimsieg von Holstein gewesen. Man wartete nun auf die Shuttlebusse vom Stadion.

Warten wurde dann tatsächlich auch die Hauptbeschäftigung der Beamten. Denn während am Stadion beim Einsteigen in die Busse bis zu vier Sani-Trupps bereitstanden, um zu schauen, dass nichts passiert,  schien sich ein Teil der Fans auf dem Weg zum Bahnhof in Luft aufgelöst zu haben. Denn auch aus den Shuttlebussen der KVG kamen die Rostocker nur kleckerweise an, und verteilten sich dann weiter auf die Züge. Es kam nur zu kleinen Rempeleien. Der Rest der Fans, von den Bahnreisenden wohl um die 250 Leute, ging währenddessen zu Fuß und verteilte sich in der Stadt; in der Holtenauer und auf den Weihnachtsmärkten. Gegen 18 Uhr wurde die Party am Bahnhof daher stark reduziert, sowohl bei der Landes- als auch bei der Bundespolizei.

Daher lässt sich an dieser Stelle wohl das Fazit ziehen: Viel Aufwand, wenig Anlass. Aber, auch wenn das für die beteiligten Beamten und auch die friedlichen Fans nervig war, möchte ich das gar nicht kritisieren. Man kann sich immer nur an den letzten Einsätzen und den Erfahrungen orientieren und auf dieser Grundlage versuchen die Lage zu planen. Und da die Rostocker, wie sie bei den letzten Auswärtsspielen und auch im Stadion bewiesen haben, bisher nicht gerade friedensbewegte Reisende waren, wurde auch dementsprechend geplant, bei Landes- und Bundespolizei. Es hätten nur ein paar Dinge anders kommen müssen, und die Situation hätte eskalieren können, wie zuletzt in Leipzig oder Bochum. Wenn dann nicht genügend Kräfte eingeplant worden wären, hätte der Ruf nach Konsequenzen aus Politik und Öffentlichkeit  kaum überhört werden können. Und obwohl ich mir natürlich für meine Zeichnungen spektakuläre Bilder erhofft hatte, war ich am Ende doch froh, dass keinem was passiert ist!

Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei Matthias Menge, Pressestelle BPOLD Bad Bramstedt und Kollegen sowie Gerd Stelke, Pressestelle BPOLI Kiel sowie alle anderen Kollegen für die Betreuung und die vielen Infos bedanken. Es war trotz allem ein sehr spannender Tag für mich.

Artikel und mehr Bilder gibt es auch hier und hier.

Die offizielle Abschlussmeldung der BPOL gibt es hier, die der Landespolizei hier.

Für einen Großteil der Beamten ging es in der Nacht und geht es heute in  Hamburg weiter. Passt auf euch auf, Jungs und Mädels!

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2 Kommentare zu “Fußball ist unser Leben

  1. […] Bad Bramstedt zu Gast war, um Projekte anzuschieben. Daraus resultierte ja schon die Teilnahme am Fußballeinsatz zum Spiel Kiel gegen Rostock und nun war es auch endlich an der Zeit ein zweiwöchiges Praktikum in […]

  2. […] und eine Grundausstattung zur erkennungsdienstlichen Behandlung. Während des Einsatzes zum Fußballspiel von Holstein Kiel gegen Hansa Rostock war dort oben etwa auch die Bildauswertung vom Hubschrauber eingerichtet. Interessant zu sehen war […]

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