Hilfswichtel in Ausbildung

Blaulichtfraktionen gibt es wahrlich viele. Während die Polizei natürlich nur Hauptberufliche hat, bieten Freiwillige Feuerwehren sowie Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz und Johanniter und die DLRG die Möglichkeit zur ehrenamtlichen Tätigkeit. Eine Organisation, die sogar eine Behörde ist, wird dabei gerne vergessen: Das Technische Hilfswerk (THW).

Wer sich beim THW als Helfer ehrenamtlich engagieren möchte, egal in welcher Funktion, muss zunächst die sog. Grundausbildung absolvieren, in der alle grundlegenden Fähigkeiten des THW-Helfers vermittelt werden. In unserem Ortsverband (OV) dauert diese Ausbildung, die verteilt über mehrere Abende und Wochenenden stattfindet, so etwa ein halbes Jahr und endet mit der Prüfung, die in wechselnden OV im Landesverband stattfindet.

Die Prüfung an sich besteht aus drei Teilen. Zum einen gibt es da natürlich einen theoretischen Teil, der ähnlich wie die Führerscheinprüfung ein Multiple Choice-Ankreuztest ist. Zweiter Teil ist die praktische Prüfung, die aus mehreren Stationen besteht und als drittes die Teamprüfung.

Auch ich hatte mich im Spätsommer mehr oder weniger spontan dazu entschlossen, ein Hilfswichtel zu werden und habe schon in die letzten Ausbildungsdienste reinschnuppern können. Im November begann dann offiziell unsere neue Ausbildungsrunde, die mit den theoretischen Einführungen in viele Bereiche begann.

Am gestrigen Samstag nun sollte die Ausbildung das erste Mal richtig praktisch werden: Morgens machten wir uns auf zum THW-eigenen Übungsgelände in Osterrönfeld, einem Ort so ziemlich in der Mitte Schleswig-Holsteins (ganz genau auf  54.292875 geographische Breite und 9.708390 georgraphische Länge). Das Gelände ist eigentlich ein Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges, auf dem die Bundeswehr ABC- und Selbstschutzübungen durchführte. Nach der Übergabe an das THW wurde der Platz unter Mithilfe von einigen OV für die Anforderungen der Bergungs- und Fachgruppen zu einem Übungsgelände umgebaut. Heute findet man auf dem Gelände ein Gebäude, eine alte Lagerhalle, dazu Schutt, Trümmerteile und was man sonst noch zum Üben gebrauchen kann. Das Gelände kann daher für viele Bereiche des Katastrophen- und Brandschutzes als Übungsort genutzt werden.  Auch die Landespolizei übte hier schon gemeinsam mit dem THW die biologische Ortung mit Hunden. (Quelle)

Schon auf der Fahrt in Richtung Nord-Ostsee-Kanal, an dem Osterrönfeld liegt, begann es zu schneien und das Gelände selbst lag unter einer geschlossenen Schneedecke, es war allerdings trocken, glücklicherweise.  Thema der Ausbildung für diesen Tag waren die Grundlagen der Rettung und Bergung, sodass wir auch mit einer Rettungsübung begannen. Dazu wurde der Dummy, liebevoll Herr Havemeister genannt, in einen Schacht geworfen, aus dem wir Auszubildende ihn als Team herausholen sollten.  Glücklicherweise übernahm einer unserer Kameraden gleich die Führung der Gruppe, sodass wir relativ gut organisiert waren. Dennoch kostete es viel Gefluche, Zeit und bei mir einige blaue Flecke, den guten Herrn Havemeister aus der Engstelle hinauszumanövrieren. Dennoch gelang es uns irgendwann und ich muss sagen: Ich war schon ein bisschen stolz, dass wir es zusammen geschafft haben. Und auch unsere Ausbilder waren zufrieden.

THW Ausbldung Osterrönfeld 064

Wie haben wir da bloß reingepasst?

Als nächstes sollten wir den Leiterhebel ausprobieren, der dazu dient, mit einer recht einfachen Konstruktion Opfer aus einem Haus zu transportieren ohne eine Treppe zu benutzen. Dabei befestigt man einen Schleifkorb an einer Leiter, die vom Haus abgekippt wird, während die Trage von Seilen in der Waage gehalten wird. Hier sagen aber Bilder mehr als Worte, denke ich:

(Glücklicherweise hatte ich daran gedacht, meine Kamera einzupacken und in unserem Ausbildungsbeauftragten auch jemanden gefunden, der sie bedienen kann, wenn ich beschäftigt bin.  😉 )

Die Schwierigkeit war hier zum einen, den Schleifkorb ungefähr in der Waage zu halten (welcher Patient möchte da schon auf halb acht hängen?), was eine gute Absprache und ständiges Beobachten erforderte. Zum anderen brauchten das Halten der Seile, die das Opfer sicherten, und das gleichmäßige Bewegen der Leiter eine große Kraftanstrengung (der Muskelkater in meinen Armen zeugt noch davon).

Aus ähnlichen Bestandteilen – Leiter und Schleifkorb – bestand die nächste Anordnung, die sog. Schiefe Ebene. Dabei wird die Trage, die genau auf die Leiter passt, dort aufgelegt und mit Seilen nach oben gezogen oder durch sie nach unten abgelassen.

Auch diese Aufgabe meisterten wir für’s erste Mal ganz gut – natürlich kann und muss jeder von uns noch viel lernen, aber am Ende waren unsere Ausbilder ganz zufrieden mit uns.

Als letzten Tagesordnungspunkt durfte sich Herr Havemeister noch einmal ein neues Versteck suchen (lassen), sodass auch diejenigen Azubis nochmal zum Zuge kamen, die bei der ersten Gruppe nicht vorne dabei waren.

Fazit des Tages: Es war wirklich ein spannender und aufregender Ausbildungstag und trotz aller Anstrengung hatten wir wirklich viel Spaß bei der Sache, was die Zeit schnell rumgehen ließ. Alles in allem also ein sehr gelungener Tag. Nächstes Mal gibt’s leider wieder Theorie… 😉

"Den 7. Jänner ging Lenz in's Gebirg..." Ach, nee...

„Den 7. Jänner ging Lenz in’s Gebirg…“ Ach, nee…

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Ein Kommentar zu “Hilfswichtel in Ausbildung

  1. […] Hilfswichtel in Ausbildung aussehen, konntet ihr ja im letzten Jahr schon hier im Blog lesen. Am Wochenende nun war es soweit: Die THW-Grundausbildungsprüfung stand […]

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