Comic-Recherchen

Als Comiczeichner hat man bei ausreichenden Fähigkeiten ja alle Möglichkeiten – man kann fantastische Welten entwickeln, in den Weltraum reisen und Ereignisse der Geschichte lebendig machen. Doch manchmal erweist sich gerade die Darstellung des Hier und Jetzt als besonders knifflig…
Als ich mit meinem ersten Langcomic „Personality“ in den letzten Zügen lag, musste ich mir langsam Gedanken über ein neues Projekt machen, denn mir war klar, dass ich nicht ohne sein konnte. Dabei wurde mir bewusst, dass sich im Vergleich zum Vorgänger einige Dinge ändern mussten. So spielte die „alte“ Geschichte zum größten Teil in Berlin und damit in einer Stadt, wo ich mich nur sehr, sehr begrenzt auskannte. Das machte die Recherche zu den Handlungsorten und Besonderheiten der Stadt sehr schwierig, zumal ich bei Beginn des Comics 2005 noch nicht die Zugangsmöglichkeiten zum Internet besaß, wie ich es heute tue. Zudem fehlten mir auch die persönlichen Kontakte in die Hauptstadt. Diese Umstände verbesserten sich zwar im Laufe der Zeit, doch konnte das bei den schon bestehenden Seiten der Geschichte natürlich auch nichts mehr retten. Spätestens beim Epilog, der in meiner Heimatstadt spielte, sah ich ein, dass Ortskenntnisse der Geschichte sehr zugute kamen. Daher fasste ich den Beschluss, dass die neue Geschichte auf jeden Fall an einem Ort spielen sollte, wo ich mich auskenne. Da ich die Story zusammen mit meiner Kommilitonin und Freundin Mareike plante, fiel die Wahl schnell auf Kiel und die Uni als Handlungsort. So weit, so gut: Die Idee zu „Grundkurs Mord“ war geboren.
Doch jetzt fing die Arbeit erst an.
Für jeden Handlungsort mussten nun Fotos gemacht werden, was bei Straßen und Plätzen ja nicht unbedingt ein Problem ist. Knifflig wurde es nur bei meinem Anspruch, auch die Innenaufnahmen authentisch zu gestalten, was nicht nur die Räumlichkeiten der Uni, sondern auch die der Polizei betraf. Darüber hinaus brauchte ich Informationen zur Ausrüstung und Arbeitsweise der Polizei, bestand mein Wissen damals doch nur aus lückenhaften Informationen aus Film, Fernsehen und Internet.
Also googelte ich mich lustig durch’s Netz, um Ansprechpartner für mein zugegebenermaßen doch etwas seltsames Anliegen zu finden. Doch zu meinem Erstaunen und Glück stand man mir sehr offen und hilfsbereit gegenüber und reichte mit von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu den entsprechenden Stellen weiter, etwa zum örtlichen Revier, zur Kriminalpolizei oder zum Fahrzeugwesen. Und die Kollegen unterstützen mich bis heute immer wieder gern und mit Zeit. Und darüber freue ich mich jedes Mal wieder auf’s Neue, denn für mich ist das nicht selbstverständlich. Schließlich haben sie weitaus mehr und besseres zu tun, als mir kleinem Nerd-Girl die Noob-Fragen zu beantworten. Dennoch stimmt es doch irgendwie, was ein Bremer Beamte aus der Leitstelle an anderer Stelle mal sagte: „Warum sollen wir das hier nicht zeigen? Wir sind kein Geheimdienst und haben nichts zu verbergen.“ Das stimmt, zum Glück.

Durch die Gastlichkeit, die es auf den Dienststellen gibt, habe ich mich bisher immer wohlgefühlt. Selbst, wenn man nur im laufenden Betrieb irgendwo sitzt und beobachtet, wird man von gerade Eingetroffenen freundlich mit Handschlag begrüßt und ausgefragt. Die Zeichnungen stoßen dabei immer auf Interesse und Begeisterung – gerade, wenn schon bekannte Orte zu sehen sind. Und nicht zuletzt springen bisweilen auch Auftragszeichnungen dabei heraus…

Am 1. Polizeirevier

Am 1. Polizeirevier

Die Bezirkskriminalpolizeidirektion in der Blumenstraße

Die Bezirkskriminalpolizeiinspektion in der Blumenstraße

Der Besprechungsraum der Mordkommission

Der Besprechungsraum der Mordkommission

Neben den Fotos bringen solche Treffen natürlich auch Hintergrundinformationen, Fachwissen und nicht zuletzt Anekdoten zutage, die sich oftmals gut in die Stories einbauen lassen. 🙂 Diese tragen sehr viel dazu bei, dass die Geschichte authentisch wird und auch beim „Fachpublikum“ gut ankommt – etwas, das mir sehr wichtig ist.
Und das sind die kleinen Dinge, die mit dazu beitragen, der Polizei in der Öffentlichkeit ein positives Bild zu geben. Denn durch diese Hilfe und Offenheit ist es mir möglich, die Arbeit der Polizei authentisch und für die Leser nachvollziehbar darzustellen, was hoffentlich auch einen, wenn auch nur kleinen, positiven Effekt auf die Wahrnehmung der Polizei durch meine Leser hat.
An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön an alle Polizisten und Mitarbeiter, die mir bisher den Weg durch den Blaulichtdschungel gewiesen und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben!
Ein besonderer Gruß auch an die Professoren und Dozenten, die mich in ihre Büros spähen ließen. 🙂

Ein Büro in der Uni

Ein Büro in der Uni

Hoffentlich habe ich für’s neue Kapitel wieder so viel Glück… 😉
Auf jeden Fall erwartet euch ein Besuch hier…

P1110985

Advertisements

Ein Kommentar zu “Comic-Recherchen

  1. […] Warum gibt es diese starke Diskrepanz zwischen Realität und Film? Schließlich ist es, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht allzu schwer, die entsprechenden Infos für eine möglichst realistische Darstellung […]

Hat es Dir gefallen oder nicht? Schreib was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s