305km*

…oder: mein schönstes Ferienerlebnis <- Das wäre wohl die Schulüberschrift gewesen. 😉

Aber mal im Ernst: Nach langem Hinfiebern und einer (gefühlt) noch längeren Bahnfahrt war es endlich soweit:
Ich durfte einen Tag bei der Autobahnpolizei in Braunschweig verbringen.

Für alle von euch, die bei dem Wort „Autobahnpolizei“ gleich an die mit Detonationen und Rasanz vollgepackte RTL-Serie denken:  Stopp, bitte nehmen Sie die nächste Ausfahrt. Sie haben ihr Ziel erreicht.

Alle anderen können hier weiterlesen. 😉

Schon am hübsch hässlichen Braunschweiger Bahnhof wurde ich von meinen Lieblingskollegen für einen Tag, Robert und Heinz, in Empfang genommen und standesgemäß im neongelb-blau-silbernen BAB-Audi zum Sightseeing durch die Stadt kutschiert. Die Leute an den Straßenbahnhaltestellen haben anscheinend angestrengt überlegt, was ich wohl verbrochen haben könnte, dass ich bei denen hinten drin sitze, wenn man sich die Gesichter so ansah. Der Versuchung, die Gelegenheit zu nutzen und mich meiner Position gemäß richtig mies zu benehmen, ließ ich dann aber doch verstreichen…

Dafür habe ich Braunschweig mit auf meine Liste der Städte-die-ich-noch-mal-mit-gutem-Wetter-und-Zeit-besuchen-muss gesetzt, es gibt wirklich viel zu sehen. Wider Erwarten verschaffte mir das Sightseeing sogar noch ungeahnte Einblicke in das Braunschweiger Karnevalstreiben (egal, wie man Fasching findet: Die Wagen sind toll!) und ich sah auch Dinge, die in den meisten Stadtführungen wohl nicht vorkommen. 🙂 (Hotte-Hüs!)

Auf der Wache angekommen begann der übliche Vorstellungsmarathon, nach dem mich aber alle freundlich aufgenommen haben (was aber auch am mitgebrachten Naschkrams liegen könnte). Nach der schon von mir erwarteten Fragerei („Was machst Du eigentlich hier?“ „Und was machst Du sonst so?“), auf die ich trotz allem immer noch keine guten Antworten habe, und einer Teepause ging es recht beschaulich weiter.  An Samstagen, so sollte ich lernen, ist auf der A2, der sonst stark frequentierten Ost-West-Verbindung zwischen Polen und den Niederlanden, nur wenig los. Stimmt. Auffallend.

„Die Autobahnpolizei Braunschweig ist zuständig für das 188 Kilometer lange Streckennetz der Autobahnen 2, A 39, A 391, A 392 und der A 395 in der Region. Der Abschnitt der A 2 zwischen den Anschlussstellen Hämerlerwald und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt ist mit 68 Kilometern das längste Teilstück.“**

Nach einem kurzen Einsatz, der eigentlich gar nicht in das Zuständigkeitsgebiet der Jungs fällt und darüber hinaus ein grundloser Anruf war, entschied man sich daher für ein bisschen Sightseeing in Wolfsburg.

Wolfsburg. Eine Burg gibt es dort tatsächlich, oder, besser gesagt, ein Schloss, aber die restlichen 99% des Ortes bestehen aus: Volkswagen, Volkswagen und… Volkswagen. In allen Variationen. Werk – Ausbildung – Phaeno – Autostadt – Eishalle – Badewelt – Ritz Carlton Hotel – alles von, mit und für VW (übrigens auch der Braunschweiger Flughafen, der deswegen auch den Namenswurmfortsatz -Wolfsburg tragen muss). Daher ist man schon recht verwundert, wenn man zwischendurch doch mal normale Einfamilienhäuser findet.  Ein besonderer Gruß an dieser Stelle noch an die VW-Security und die beiden Herren vom Ritz Carlton. Keine Angst, wir wollten nur gucken.  😉

Beim wirklich leckeren Mittagessen gab’s dann die eine oder andere „Weißte noch, der…?“-Anekdote zu hören und es war wirklich echt entspannt und lustig. Genaueres verrate ich nicht. 🙂

Zum Ende der für mich eher kurzen, für die Jungs aber langen Samstagsschicht (12 Std. seit 6 Uhr früh) sollte dann wenigstens noch ein bisschen Action aufkommen. Ich hatte schon befürchtet, die extra für mich bereitgelegte neongelbe Jacke gar nicht tragen zu können.

Aber nun ja doch: Auf einem Rastplatz sollte es einen internistischen Notfall geben, sodass der Landeplatz für den angeforderten Hubschrauber abgesichert werden musste. Hier kam der Vorteil voll zum Tragen, dass der  Heli einfach schneller ist als jeder bodengebundene Notarzt. So rasten wir nun mit Blaulicht und Signal über die Autobahn. RTL ist ein Scherz dagegen, Freunde… Da ich aber immer ein gewisses Grundvertrauen in den Fahrer habe, musste ich mir keine Sorgen machen. 😉

Während der Eurocopter neben der Tankstelle landete und man den Einsatz der Rettungskräfte abwartete, hatte ich endlich die Gelegenheit, auch mal Fotos zu machen – leider geriet ich auch selbst vor die Linse…

Das sollte jedoch noch nicht das Ende der Geschichte sein, denn es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass man uns und die Retter zur falschen Stelle gelotst hatte, da es in der Leitstelle wohl ein Problem mit dem englischsprachigen Anrufer gegeben hatte. Nach ein bisschen Beratung und Telefoniererei  hetzte man weiter zum richtigen Einsatzort. Leidtragende war eine Britin, die im Reisebus eine Panikattacke erlitten hatte (nein, es lag nicht an den englischen Busfahrern, die waren sehr nett). Da die Dame deswegen vorher schon in Behandlung gewesen war und Tabletten bekommen hatte, konnte die Ärztin nicht viel mehr für sie tun, sodass zwar allerlei Leute in neonfarbenen Jacken von unterschiedlicher Farbe um sie herumstanden, aber doch nichts geschah bzw. getan werden konnte. Immerhin schien sie sich ein bisschen zu beruhigen.

Tja, und dann war der Tag auch schon wieder zu Ende. 😦 So saß ich dann beseelt nach dem Abschied am a…kalten Bahnhof und ließ den Tag Revue passieren (ich glaube, ich lächelte zwischendurch recht debil, aber egal, das haben nur die Bundespolizisten von Gegenüber gesehen…).

Leider etwas verwackelt, der Robert und ich. Und Heinz ist leider nicht drauf, der musste das Foto machen... :(

Leider etwas verwackelt, der Robert und ich. Und Heinz ist leider nicht drauf, der musste das Foto machen… 😦

Deswegen, abschließend: Lieben Dank an alle Beteiligten für den schönen Tag. ❤ Das wird immer ein Highlight bleiben.

* So weit sind wir rumgekommen: 305km.
** Quelle: Autobahnkommissariat Braunschweig

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3 Kommentare zu “305km*

  1. Seyreene sagt:

    Die Jacke steht dir aber echt gut! Und das trotz der eklig grellen Neonfarbe… 😉

    Es ist auch wieder sehr schön geschrieben. Ich hab’s gerne gelesen!

  2. […] aber ich habe mich vor allem gefreut, Robert wiederzutreffen, mit dem ich ja im Februar auf der Autobahn unterwegs gewesen war […]

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